Das erstemal auf einem Gletscher

Seit 1994 fördert die Pädagogische Maturitätsschule Kreuzlingen angehende Lehrer aus Weissrussland. Die Universität Brest hatte für Deutsch und Englisch keine muttersprachlichen Dozenten.

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Ina Kryshtopik und Aksana Bubnova lernen Deutsch in Kreuzlingen. (Bild: pd)

Ina Kryshtopik und Aksana Bubnova lernen Deutsch in Kreuzlingen. (Bild: pd)

KREUZLINGEN. Wenn am 14. und 15. Dezember nach dem traditionellen Weihnachtskonzert der Pädagogischen Maturitätsschule (PMS) und der Pädagogischen Hochschule Thurgau Spenden gesammelt werden, dann kommt die Kollekte Studenten der staatlichen Universität Brest zugute. «Wir ermöglichen jedes Jahr zwei Gaststudierenden ein Auslandsemester», sagt Brigitte Pallmann, Prorektorin der PMS und seit diesem Jahr Vorsitzende des Vereins «Belarus», der das Projekt leitet. «Das Geld wird nur für den Aufenthalt benutzt, also für Versicherungen, die Reisekosten und etwas Sackgeld.»

Die jungen Leute wohnen für ein halbes Jahr kostenlos bei einer Gastfamilie, meistens bei Lehrern oder Eltern von Schülern der PMS. Rund 10 000 Franken muss der Verein pro Jahr aufbringen, um zwei Studierende in die Schweiz zu holen.

Interkulturelle Verständigung

Die Motivation für diesen Aufwand ergibt sich aus dem Leitbild der Schule: interkulturelle Verständigung und die Auseinandersetzung mit fremden Lebens- und Denkweisen sollen gefördert werden. Die Brester Universität wurde durch eine Begegnung vor zwanzig Jahren zum Partner der PMS. Sie bildet ebenfalls Lehrer aus, hatte aber lange Zeit für die Fächer Deutsch und Englisch keine muttersprachlichen Lehrkräfte.

«Wir wollen jungen Weissrussen Aussenkontakte und Lernmöglichkeiten verschaffen», so Brigitte Pallmann. «Den Studierenden, die zu uns kommen, wäre es ohne das Projekt kaum möglich, einen Auslandaufenthalt zu finanzieren.» Jedes Jahr reist eine Delegation der PMS an die Universität nach Brest, um Kandidaten für das nächste Jahr zu prüfen. Die Studenten müssen sich bewerben und in einem Gespräch bewähren.

Zugleich Englisch

In diesem Jahr haben Ina Kryshtopik und Aksana Bubnova die Gelegenheit, die deutsche Sprache vor Ort zu üben und gleichzeitig ein dreiwöchiges Praktikum als Englischlehrer zu absolvieren. Beide studieren in Brest Deutsch im Hauptfach und Englisch im Nebenfach. «Ich vermisse meine Familie und meine Freunde», sagt die 21jährige Aksana. «Aber ich lerne hier sehr viel.» Ina würde am liebsten nach ein paar Wochen Ferien in Weissrussland wieder her kommen. «Die Zeit in Kreuzlingen vergeht unglaublich schnell», so die 23-Jährige. «Wir haben einen engen Stundenplan mit 13 Lektionen Deutsch und 7 Lektionen Englisch pro Woche.» Ausserdem gehen sie mit ihren Mitschülern in die Allgemeine Didaktik, den Sportunterricht und die Fächer Psychologie/Pädagogik und Philosophie.

Auch die Landeskunde kommt nicht zu kurz. Die beiden jungen Frauen haben ein Generalabonnement bekommen und erkunden an den Wochenenden die ganze Schweiz.

Zerstörte Altstädte

«Die Bedingungen an der PMS sind wirklich grossartig», lobt Aksana. «Wir werden zu Hause überall erzählen, dass die Schweiz mehr bietet als Uhren, Käse und Schokolade.»

Altstädte mit jahrhundertealten Kirchen seien in Weissrussland weitgehend zerstört, ergänzt Ina. Und auf einem Gletscher sei zu Hause auch noch niemand gewesen. (red.)

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