Das erste wissenschaftliche Schreiben

Am Samstagmorgen durften die Kantonsschüler ihre Maturaarbeiten präsentieren. Während die einen komplexe Theorien aufstellten, haben sich andere etwas Praktisches ausgedacht.

Géraldine Bohne
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Ramon Weber erforschte an der Universität Zürich einen Wirkstoff gegen Gefässerkrankungen bei Diabetikern. (Bild: Géraldine Bohne)

Ramon Weber erforschte an der Universität Zürich einen Wirkstoff gegen Gefässerkrankungen bei Diabetikern. (Bild: Géraldine Bohne)

Er forschte mit Mäusen an der Universität in Zürich. Schon in der zweiten Klasse der Kanti wusste der Schüler Ramon Weber, was er in seiner Maturaarbeit tun wollte. «Ich wollte etwas machen, das noch nie erarbeitet wurde und auch einen Nutzen hat», erklärte der Schüler. Während drei Wochen testete er an der Uni einen Wirkstoff gegen Gefässerkrankungen an 100 Mäusen. Das Thema schien viele zu interessieren, denn das Biologiezimmer der Kantonsschule Frauenfeld war voll besetzt. Das störte den Gymnasiasten nicht. Selbstbewusst und voller Überzeugung erzählte er den Interessierten von seinen Forschungen.

Neben Weber durften 86 Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Frauenfeld am vergangenen Samstagmorgen ihre Maturaarbeiten präsentierten. Die einen standen da mit zittriger Stimme, die anderen erzählten selbstbewusst, was sie während einem Jahr für ihre Maturaarbeit geleistet hatten.

«Diese Arbeit ist eine Riesenherausforderung, aber ermöglicht den Schülern gleichzeitig, das erste Mal in ein wissenschaftliches Schreiben einzutauchen», erklärte Prorektorin Pascale Chenevard. Die Maturanden konnten selbst entscheiden, ob ihre Arbeit mehr theoretisch oder praktisch wird. Auch durften sie eine Betreuungsperson anwerben, die dann Impulse gab. Die Note der Maturaarbeit zählt als Ganze im Abschlusszeugnis, daher haben sich die Schüler viel Mühe gegeben.

So auch Loris Rehli, der sein eigenes Modelabel gegründet und eine eigene Kollektion entworfen hat. «Das war ein enorm hoher Zeitaufwand für mich», erzählte der 17-Jährige. Zuerst mussten aus den Skizzen gute Modezeichnungen werden, dann musste er nähen, zum Teil das Ganze wieder auseinander nehmen und wieder zusammennähen. Seine Kollektion besteht unter anderem aus zwei Jacken, einem Pullover, einem Mantel und einem T-Shirt. «Momentan ist das Entwerfen noch ein Hobby, doch es könnte auch meine Zukunft sein», meinte Rehli.

Nicht nur Kreatives konnten die Besucher am Samstagmorgen bewundern. Anna Stahel hatte sich für eine sportliche Arbeit entschieden. Ihr Ziel war es, in vier Stunden einen Mountainman, einen Berg-/Traillauf zu meistern. Dafür musste sie fünf Monate lang trainieren. «Anfangs hatte ich keinen Spass an den Trainings, da ich keine Steigerung sah. Doch später war ich begeistert, als ich realisieren konnte, was für eine Leistung ich erbracht hatte.», erzählte Stahel.

Für die Besten zahlt sich der Zeitaufwand aus, denn Arbeiten mit der Note sechs können eingereicht werden. «Die Gewinner erhalten ein Preisgeld und eine Urkunde», sagte Chenevard.