Das EKT heizt das Geothermie-Grossprojekt an

FRAUENFELD. Bald wackelt es im Thurgau: Das EKT sucht jemanden, der im Raum Arbon, Romanshorn und Amriswil misst, ob es tief unter der Erde heisses Wasser haben könnte. Die Ausschreibung für die seismischen Messung ist der erste Schritt hin zu einem Geothermiekraftwerk.

Marc Engelhard
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Mit Vibrationsfahrzeugen blicken Geologen tief unter die Erde. (Archivbild: Urs Jaudas)

Mit Vibrationsfahrzeugen blicken Geologen tief unter die Erde. (Archivbild: Urs Jaudas)

Sie sind annähernd 30 Tonnen schwer, ihre Front ist bullig und die Räder mächtig: Mit den Vibrationsfahrzeugen und ihren dicken Metallplatten erschüttern Geologen den Boden und messen, wie es vier Kilometer unter der Erde aussieht. Im September sollen solche Fahrzeuge auch in den Raum Amriswil, Arbon und Romanshorn einrollen – das Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau (EKT) sucht nun die Firma, die ihm hier das beste Angebot unterbreiten kann.

Das EKT führt die Feder

Die entsprechende Ausschreibung hat das EKT gestern im Amtsblatt veröffentlicht. Die 3D-Seismik-Messung ist laut Ausschreibung für den Zeitraum zwischen September 2013 und Ende März 2014 geplant. Sie ist der Startschuss für das Bemühen, im Thurgau ein Geothermiekraftwerk aufzustellen.

Mit der Messung klären die Geologen ab, ob das EKT im Raum Arbon, Amriswil und Romanshorn nach heissem Wasser bohren könnte. Das EKT führt bei dem Tiefengeothermie-Projekt die Feder, doch noch wollen sich die Verantwortlichen nicht eingehend über die Ausschreibung, die Kosten und die Partner äussern. Nur so viel: « Das Grossprojekt steht vor dem Start», heisst es in einer ebenfalls gestern verschickten Einladung des EKT zu einer Medienkonferenz am 12. Februar. Regierungsrat und Kanton unterstützen das EKT bei dem Projekt. Geothermie sei ein Hoffnungsträger für sichere und umweltfreundliche Versorgung – vor allem in einer Gesellschaft ohne Atomstrom, hat Energiedirektor Kaspar Schläpfer wiederholt betont.

Entsprechend gross ist auch der politische Rückhalt der Geothermie im Grossen Rat, Politiker aller Parteien haben im November des letzten Jahres den Regierungsrat angehalten, das Geothermiekonzept voranzutreiben. Der Regierungsrat will in den nächsten zehn Jahren mindestens ein Geothermiekraftwerk im Thurgau haben. Die Messung ist eine von 16 Massnahmen, mit der er das Ziel erreichen will. Sie soll neue Daten aus dem Untergrund liefern.

In der Stadt St. Gallen haben Geologen bereits seismisch gemessen, die Voraussetzungen unter der Erde scheinen ideal, in den kommenden Monaten beginnen die Bohrungen. Erst dann wird Gewissheit darüber herrschen, ob es vier Kilometer unter St. Gallen tatsächlich heisses Wasser gibt. Der Erfolg des 160 Millionen Franken teuren Projekts würde auch im Thurgau der Tiefengeothermie (siehe Box) weiter Auftrieb geben.

Die Thurgauer sind Pioniere

Die Thurgauer sind in der Schweiz die Pioniere, wenn es um Tiefengeothermie geht. Der Gemüsebauer Hansjörg Grob hat vor einem Jahr in Schlattingen auf diese Weise nach heissem Wasser gebohrt, es gefunden und beheizt nun damit Treibhäuser. Der Kanton Thurgau unterstützt ihn dabei.