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Das eigene Beispiel zählt

Die christlichen Werte standen gestern im Grossen Rat hoch im Kurs. Aber auch die Erkenntnis, dass sie vor allem selbst gelebt werden müssen.
Christian Kamm

FRAUENFELD. Sechs Kantonsräte aus unterschiedlichen Fraktionen hatten die Interpellation «Christliche Werte in der Wohlstandsgesellschaft» gemeinsam eingereicht. Wortführer Andrea Vonlanthen (SVP, Arbon) kritisierte gestern im Grossen Rat, dass es der schriftlichen Antwort der Regierung «an Klarheit und Konsequenz» fehle.

«Christlicher Bildungsnotstand»

So habe der Regierungsrat wenig Erhellendes zur generellen Vermittlung christlicher Werte und zur Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule Thurgau geäussert. Vonlanthen folgerte: «Wir haben einen christlichen Bildungsnotstand.» Es sei am modernen Säkularismus festzulegen, «wie unsere christlichen Werte verteidigt und gestärkt werden können». Nur wenn das gelinge, sei die Gesellschaft auch einer Herausforderung wie dem Islam gewachsen.

In der Folge entwickelte sich eine eigentliche Grundsatzdiskussion. Die meisten Redner unterstrichen die Bedeutung, welche das christliche Fundament nach wie vor für die Gesellschaft habe. Sie betonten aber auch, dass das eigene Beispiel gefragt sei. «An ihren Taten sollt ihr sie erkennen», sagte SP-Sprecherin Christa Thorner (Frauenfeld) exemplarisch. Und verwies darauf, dass es das Parlament selber in der Hand habe, christliche Solidarität zu leben – etwa in Fragen der Steuerpolitik oder der sozialen Absicherung. «Die Einhaltung christlicher Werte kann nur einfordern, wer sie selbst vorlebt», gab auch Brigitte Kaufmann (Uttwil) namens der FDP zu bedenken. Die von der Interpellation postulierte Orientierungslosigkeit der Jugend stellte sie in Abrede. Die grosse Mehrheit der Jugendlichen blicke optimistisch in die Zukunft und stehe zur Demokratie.

Hingegen teilte Astrid Ziegler (CVP, Birwinken) den Befund, dass viele junge Menschen keine verbindlichen Eckwerte mehr in ihr Leben mitbekämen. Die Glorifizierung der Wertefreiheit sei fehl am Platz. «Eher handelt es sich um eine Wertlosigkeit.»

Unpassende Frage

Brigitta Hartmann (GP, Weinfelden) lobte die regierungsrätliche Antwort als umfassend, kritisierte hingegen Vonlanthens rhetorische Einstiegsfrage «Wie hältst du es mit der Religion?». Diese müsse nicht im Grossen Rat behandelt werden. Umgekehrt monierte für die EDU Iwan Wüst (Tuttwil), dass die Regierung im Nebel die Orientierung verloren habe. Der Staat müsse die Rahmenbedingungen schaffen, damit christliche Werte vermittelt werden könnten.

Nicht über Bord werfen

Hansjörg Haller (EVP, Hauptwil) mahnte, dass die Gesellschaft dabei sei, ihre Werte über Bord zu werfen. «Es ist verheerend, wenn Menschen mit christlichen Grundsätzen gleichsam unter besondere Beobachtung gestellt werden.» Für Roland A. Huber (BDP, Frauenfeld) bringt es am meisten, wenn Lehrpersonen oder Lehrmeister ihre christliche Grundhaltung als Vorbilder vorleben. Einen anderen Akzent setzte Lucas Orellano (GLP, Frauenfeld), der erinnerte, dass viele Werte, welche als christlich gälten, eigentlich einen anderen Ursprung hätten – etwa Eigenverantwortung, Fairness oder Chancengleichheit.

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