Das Duell der Ungleichen

Unterhaltsames Happening: Am Mittwochabend trafen sich die Fischinger in der Hörnlihalle. 200 Personen warteten vor allem auf das Aufeinandertreffen der beiden Gemeindeammann-Kandidaten Irina Beerli-Volodin und Willi Nägeli (SVP).

Yann Cherix
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Wie Feuer und Erde: Irina Beerli-Volodin sorgte auf dem Podium für Stimmung, Willi Nägeli für Sachlichkeit. Dazwischen sass Moderator René Bosshart. (Bild: cix)

Wie Feuer und Erde: Irina Beerli-Volodin sorgte auf dem Podium für Stimmung, Willi Nägeli für Sachlichkeit. Dazwischen sass Moderator René Bosshart. (Bild: cix)

Oberwangen. Die beiden Protagonisten des Abends hätten nicht unterschiedlicher sein können. Zur Rechten von Moderator René Bosshart sass Irina Beerli-Volodin, eine rothaarige Dame mit krachendem, osteuropäischem Akzent. Daneben referierte Willi Nägeli, ein weisshaariger Herr mit ruhiger Stimme im ortsüblichen Dialekt.

Beide standen an diesem Abend auf der Bühne der Hörnlihalle, um sich dem Volk zu zeigen. Nur ihr Ziel war das gleiche: Stimmen sammeln für ihre Kandidatur zum Gemeindeammann.

Eine Frau ohne Lobby

Das ungleiche Paar verfügte offensichtlich über beträchtliche Anziehungskraft. Denn kurz vor acht gruppierte sich das halbe Dorf um die langen Tische. Zum Schluss waren es rund 200 Personen, die zu Rivella und saurem Most politischen Parolen lauschten. Sie bekamen einiges zu hören. Insbesondere die gebürtige Ukrainerin, die bereits mit ihrer Kandidatur aus dem Nichts für einige Überraschung gesorgt hatte, durchbrach die vertraute Rhythmik solcher Veranstaltungen.

Auch wenn ihre Rede manchmal etwas wirr wirkte und spätestens bei der Erwähnung des Hobbys ihres Lebenspartners (Modellflugzeugbau) kurzzeitig aus dem Takt geriet; die Frau ohne Lobby und Rückhalt im Dorf unterlegte mit ihrem mutigen Auftritt den Fischinger Wahlkampf mit zusätzlichem, verbalem Trommelwirbel.

Auch wenn im Saal manche der Frau mit den grossen Gesten nickend zustimmten, sollte sich an der Situation der «Auswärtigen» nichts ändern. Irina Beerli-Volodin wird keine Chancen auf den Einzug ins Gemeindehaus haben.

Denn ihr Gegenüber ist Willi Nägeli, ein erfahrener Lokalpolitiker, Lehrer und langjähriger Habitué der Vereine. Nägeli macht bei der Männerriege und dem Schützenverein mit. Das sind im 2500-Seelen-Dorf wichtige Stützpfeiler der Gemeinschaft. Zudem ist er im Verwaltungsrat der EKT und Aufsichtsrat der Kanti Wil. Kurz: Der Mann ist äusserst gut vernetzt.

Ein Mann mit Erfahrung

Und bei seinem Auftritt vor den Wählern machte er keine Fehler. Willi Nägeli dozierte sachlich und ruhig, nicht ohne einen gewissen Schalk. Er sprach die Sprache der Einheimischen und brauchte bei der Frage nach der Führungserfahrung nicht weit auszuholen. Die meisten in der Hörnlihalle wussten, dass er 2007 und 2008 Grossratspräsident war. Auch amtete er 17 Jahre lang als umtriebiger, engagierter Gemeinderat in Fischingen.

Willi Nägeli ist für viele der ideale Kandidat. Er wurde bereits vor einem Jahr angefragt, damals winkte der erfahrene Politiker aber noch ab. Er hatte noch mit privaten Schicksalsschlägen – seine Frau war an Krebs gestorben – zu kämpfen. Ende Jahr war Nägeli aber schliesslich bereit, und er gab dem Drängen vieler nach. Er wollte Nachfolger von Bernhard Kohler werden.

Demokratisches Meisterstück

Es war bereits kurz vor zehn, als die Fragerunde eröffnet wurde. Doch ausser einer einzigen Wortmeldung blieben die 200 Personen stumm. Irina Beerli-Volodin rief entgeistert: «Warum habt ihr keine Fragen?» Denn kurz zuvor hat sie noch feurig mehr Partizipation gefordert.

Doch trotz der fehlenden Fragen war die in Moskau ausgebildete Journalistin tief beeindruckt vom basisdemokratischen Meisterstück, das an diesem Abend in der Hörnlihalle aufgeführt wurde.

«Genau dies macht die Schweiz doch so stark», sagte sie. Jetzt nickten die Besucher synchron.