Das Dorf will kein Psycho-Gefängnis

RHEINKLINGEN. Ein geschlossenes Wohnheim für 18 psychisch kranke Menschen – darunter ehemalige Straftäter – soll im Dörfchen Rheinklingen entstehen. Gestern abend informierten die zukünftigen Betreiber erstmals über das Projekt. Gegen das setzen sich die Einwohner vehement zur Wehr.

Gudrun Enders
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Arzt und neuer Rheinklinger Einwohner Michael Lang stellt von den Einwohner vorbereitete Fragen. (Bild: Reto Martin)

Arzt und neuer Rheinklinger Einwohner Michael Lang stellt von den Einwohner vorbereitete Fragen. (Bild: Reto Martin)

Das ganze Dorf war auf den Beinen. Die grosse Stube reichte nicht aus. Gestern abend drängten die insgesamt 61 erwachsenen Einwohner von Rheinklingen fast vollzählig ins Bammatterhaus. Denn die Psychiatriepfleger Stephan Meister, Daniel Krüsi und Michèle Rubli stellten erstmals ihr Projekt vor. Sie hatten mit Widerstand gerechnet: «Wir wissen, dass wir nicht willkommen sind.» Die drei wollen an der Dorfstrasse in Rheinklingen ein Wohnheim für psychisch kranke Menschen betreiben.

Die Türen bleiben rund um die Uhr geschlossen, denn die 18 Heimbewohner haben einen erhöhten Betreuungsbedarf und einen forensischen Hintergrund. Das heisst, auch psychisch kranke, ehemalige Straftäter leben dort. Pädophile und andere Sexualtäter sollen allerdings nicht nach Rheinklingen kommen. Ebenso wollen die Betreiber keine Süchtigen aufnehmen sowie keine psychisch Kranken, die einen Menschen getötet haben.

Steht in keinem Verhältnis

Während die zukünftigen Betreiber etwa von Heim und Bewohner sprachen, hielt sich die Bevölkerung an einen anderen Wortschatz: Sie sehen hinter verschlossenen Türen ein Gefängnis mit Insassen.

Hauptkritikpunkt aus Rheinklingen aber ist, dass ein Dörfchen ohne Infrastruktur mit 61 Einwohnern und 20 Kindern nicht ein solches Wohnheim und die damit verbundenen Risiken zu tragen vermag. Das sieht auch die Gemeinde so: «Der Gemeinderat hat das Projekt nicht bewilligt», verkündete Gemeindeammann Harry Müller und erntete als einziger an diesem Abend Applaus. Zudem fordert der Gemeinderat ein Umnutzungsgesuch, da er das Bammaterhaus mit seinen vier vertikal aufgeteilten Wohnungen als nicht geeignet für ein Wohnheim ansieht.

Bewilligung ist in Sichtweite

Markus Mühlemann hatte keine vergleichbare Botschaft im Gepäck. Er ist beim Kanton für soziale Einrichtungen für Erwachsene zuständig. Die Bewilligung für das Wohnheim in Rheinklingen ist zwar noch nicht erteilt, aber sie wird laut Mühlemann wahrscheinlich erfolgen, wenn die Betreiber alle rechtlichen Auflagen erfüllen. Und das sieht ganz so aus. Der Kanton ist in dem Fall ans Gesetz gebunden. Als Carol Lang ihn auf das Verhältnis von Einwohner zu Heimbewohner festnagelt, entfuhr Mühlemann allerdings ein «voll krass». Er zeigte auf, welche rechtlichen Schritte gegen das Projekt möglich sind.

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