Das Debakel nimmt seinen Lauf

Die Zukunft der konkursiten Biorender AG ist ungewisser denn je. Der Münchwiler Jacques Hunziker ist zwar neuer Besitzer der Liegenschaft. Doch es bestehen erhebliche Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.

Hans Suter
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Versteigerung am 19. März: Jacques Hunziker (rechts) legt dem Konkursamt 200 000 Franken auf den Tisch. (Bild: Hans Suter)

Versteigerung am 19. März: Jacques Hunziker (rechts) legt dem Konkursamt 200 000 Franken auf den Tisch. (Bild: Hans Suter)

MÜNCHWILEN. Die Fragen rund um die einstige Hinterthurgauer Biogasproduzentin häufen sich. Zumal mit Jacques Hunziker einer jener Protagonisten neuer Besitzer ist, der einst Teil des Problems der Biorender AG war. Das undurchsichtige Spiel begann bei der konkursamtlichen Versteigerung am 19. März.

Erst in letzter Minute bezahlt

Für die Liegenschaft mit den Anlagen der Biorender AG gab es zwei Bieter: Jakob Bösch vom gleichnamigen Herisauer Food-Recycling-Unternehmen und Jacques Hunziker, dessen Familie die zur Versteigerung gelangende Liegenschaft einst an die Biorender AG verkauft hatte. Hunziker erhielt den Zuschlag für 5 Millionen Franken. Als Anzahlung legte er 200 000 Franken in bar auf den Tisch des Konkursamtes in Frauenfeld. Pikant an der Situation war, dass der ehemalige Wiler Stadtrat und einstige Verwaltungsratspräsident der Biorender AG, Andreas Widmer, das Geld bei sich trug und an Hunziker übergab. Ob das einfach unklug von Widmer war oder ob er eine aktive Rolle beim Biorender-Deal spielt, ist unklar. Widmer selbst bezieht nicht Stellung. Ab hier nahm ein neuerliches Debakel seinen Lauf. Auf die restlichen 4,8 Millionen musste das Konkursamt nämlich lange warten. Zu lange. Wegen Nichtbezahlens bis zum 8. April verfügte es die Aufhebung des Zuschlags. Hunziker erhob dagegen Beschwerde beim Obergericht und leistete die Restzahlung noch in letzter Minute. Mittlerweile ist der Zuschlag der Steigerung in Rechtskraft erwachsen.

Unbekannte Investoren

Bereits nach der Steigerung liess Jacques Hunziker durchsickern, dass die Finanzierung noch nicht abschliessend geregelt sei. Insider gehen davon aus, dass Hunziker selber nur einen kleinen Teil der 5 Millionen Franken aus seinem Privatvermögen beisteuern konnte. Woher also stammen die Millionen? Jacques Hunziker will dazu keine Stellung nehmen. Die Investoren bleiben damit im Dunkeln. Das dürfte für Hunziker ein neues Problem aufwerfen. Da die Gaswirtschaft in der Schweiz auf öffentlich-rechtlichen Organisationen fusst und auch politisch Rechenschaft ablegen muss, dürfte es schwierig sein, einen Käufer für das produzierte Biogas zu finden. Hunziker selber geniesst auf dem politischen Parkett wenig Vertrauen.

Abnahmeverträge laufen aus

Bis Ende Oktober werden die Anlagen der Biorender AG von der Jakob Bösch AG betrieben. Er verfügt über Gasabnahmeverträge – insbesondere mit der Stadt St. Gallen – bis Ende September. Was danach kommt, ist unklar. «Wie der Oktober aussieht, wissen wir noch nicht», sagt Jakob Bösch. «Wir haben allerdings auch nicht mehr viel unternommen, nachdem wir den Zuschlag bei der Versteigerung nicht erhalten haben.» Zwischen Bösch und Hunziker hat noch immer kein Gespräch stattgefunden. Spätestens im Oktober wird sich Jacques Hunziker darum kümmern müssen, denn ab 1. November ist er Herr der Anlagen.

Preis als grösstes Problem

Hunziker wird die verbleibende Zeit nutzen müssen, um Lieferanten von Rohmaterial zu gewinnen. In diesem Bereich ist er ein versierter Fachmann, obwohl sich die Marktsituation verschärft hat. Ob es Hunziker gelingt, das Unternehmen mit dem bestimmenden Rohmaterialmix stabil zu betreiben und welchen Wirkungsgrad er erzielt, wird sich weisen. Um Investitionen wird er laut Bösch nicht herumkommen. Das noch grössere Problem dürfte der zu erzielende Preis für Biogas sein. Kostendeckend lässt sich die Anlage aus heutiger Sicht nicht betreiben. Vor dem Konkurs der Biorender AG wurde seitens des Managements erklärt, ein Gaspreis von weniger als 15 Rappen pro Kilowattstunde sei wohl nicht realisierbar.

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