Das bringt nur Zoff

Thursicht

Esther Simon
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Die Einwohner von Moutier, die Prévotois, wollen vom Kanton Bern in die Republik und den Kanton Jura wechseln. Das haben sie am 18. Juni in einer von Bundesbern überwachten Abstimmung beschlossen, wenn auch mit 51 Prozent denkbar knapp. Nun, was haben Moutier und die Republik und der Kanton Jura mit dem Thurgau zu tun? Zweierlei: Immerhin liess der Berner Regierungsrat Georges Möckli, ein Thurgauer Bürger, 1947 die Jura-Frage wieder aufflammen. Und beide Kantone liegen hart an der Grenze zu Nachbarländern.

Aber die Leute in den beiden Kantonen sind auch recht verschieden: Die Jurassier sind ein aufmüpfiges Völklein, die Thurgauer eher die eidgenössischen Musterknaben und -mädchen. Jedenfalls ist derzeit von keiner Thurgauer Gemeinde bekannt, dass sie in einen anderen Kanton wechseln möchte. Wer denn, Hand aufs Herz, nähme die Frauenfelder schon? Sie, die immer die Weinfelder plagen? Und wo würde Weinfelden hin wollen? Nach Deutschland? Eher müsste man Konstanz zu Weinfelden schlagen. Dann hätten die Weinfelder endlich einen See, der sie anlächelt (und könnten bei den Frauenfeldern bluffen).

Allerdings sind in Moutier noch ein paar Beschwerden gegen die Abstimmung hängig. Wer glaubt, der schon seit dem Wiener Kongress von 1815 schwelende Konflikt würde bald gelöst, könnte sich täuschen. Also, liebe Thurgauer Gemeinden, recht so: Bleibt, wo ihr seid, ihr wisst ja gar nicht, wie schön ihr es habt. Ein Kantonswechsel bringt nur Zoff.

Esther Simon

esther.simon@thurgauerzeitung.ch