Das Biogasprojekt stinkt einigen

Der Geothermie-Pionier und Gemüsebauer Hansjörg Grob plant, eine Biogasanlage zu bauen. Die Gegner ziehen nun vors Verwaltungsgericht. Ihrer Meinung nach wird in Schlattingen eine Energiezentrale errichtet – in Salamitaktik.

Gudrun Enders
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SCHLATTINGEN. Das Christkind brachte dicke Post. Als Michael Flum am 24. Dezember in seinen Briefkasten schaute, lag der Rekursentscheid des Thurgauer Departements für Bau und Umwelt darin. Flum wehrt sich mit vier weiteren Rekurrenten gegen die Biogasanlage, die Gemüsebauer Hansjörg Grob errichten will. Der Kanton wies ihren Rekurs zurück. Nun haben die fünf Männer eine Beschwerde beim Verwaltungsgericht eingereicht.

«Zum Glück hatte unser Jurist über die Feiertage Zeit, so dass wir die Frist einhalten konnten», sagt Flum. Der Zeitpunkt an Heiligabend sei ungünstig gewesen, denn die Frist für eine Beschwerde laufe 20 Tage, unabhängig davon, wie viele Feier- oder Ferientage in diesem Zeitraum liegen.

Ist das Projekt zonenkonform?

Der 50jährige Flum ist Wirtschaftsprüfer, Vizepräsident des Schaffhauser Gewerbeverbandes und vertritt die Einsprecher. Michael Flum wohnt in Stein am Rhein, ist aber Bürger von Diessenhofen und besitzt dort mit seinem Bruder Bauland: «Das liegt 280 Meter von der geplanten Biogasanlage entfernt.»

Die Einsprecher finden es bedenklich, dass das Thurgauer Departement über sein eigenes, politisch gewolltes Vorzeigeprojekt befindet. «Wir bezweifeln, dass das Projekt zonenkonform ist», sagt Flum. Eine Biogasanlage dürfe nicht auf Landwirtschaftsland errichtet werden. Dieses Argument brachte schon die Stadt Diessenhofen, als sie gegen das erste Biogasprojekt rekurrierte. Die erste Bauauflage löste einen Sturm der Entrüstung mit 21 Einsprachen aus. Das jetzige Projekt ist der stark überarbeitete zweite Anlauf, gegen den noch die fünf Rekurrenten antreten. Sie stört auch, dass lediglich über die Biogasanlage befunden wird. «In Kombination mit dem Geothermieprojekt wird auf dem Areal eine Energiezentrale errichtet – und zwar in Salamitaktik», sagt Flum. Deshalb fordern die Rekurrenten, dass das Gesamtprojekt planerisch behandelt werden muss.

Zur Erinnerung: Grob verwirklicht ein Geothermie-Pionierprojekt, um seine Gewächshäuser umweltfreundlich mit Warmwasser aus der Tiefe zu beheizen. Es handelt sich um ein millionenschweres Projekt, das schweizweit Beachtung findet, unter anderem beteiligte sich das Bundesamt für Energie mit über einer Million Franken an der dritten Tiefenbohrung.

Die Gegner mutmassen sogar, dass die Energiezentrale um eine Solaranlage ergänzt wird. Dazu würden dann die sehr gross dimensionierten Gebäudevolumen der Biogasanlage genutzt. In den Plänen sind allerdings begrünte Dächer vorgesehen.

Lediglich Feigenblätter

Die Rekurrenten stört noch etwas: «Es gab keine richtige Standortauswahl für die Biogasanlage.» Die Standorte West und Süd sind für Michael Flum nur Feigenblätter, hinter denen sich die Planer verstecken. Den Beweis sieht er im Geothermieprojekt. Denn die neue Wärmeleitung zum Beheizen der Gewächshäuser soll sowohl vom warmen Thermalwasser aus der Tiefe als auch von der Abwärme aus der Biogasanlage gespeist werden können. Wärmeleitungen über längere Distanzen wie bei den Standorten Süd und West zu bauen, mache wenig Sinn, sagt Flum.

Was sagen die Betroffenen? Gemüsebauer Hansjörg Grob war gestern nicht zu erreichen. Das Departement für Bau und Umwelt bestätigt, dass die Rekurrenten weitergezogen haben. «In einem laufenden Verfahren äussern wir uns nicht», sagt Generalsekretär Marco Sacchetti.

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