Das Bauernleben auf Facebook

Die Familie Meister aus Kefikon setzt wie in alten Zeiten noch Pferde für die Arbeit auf dem Feld und im Wald ein. Sehr modern hat Bäuerin Debora Meister ein Jahr lang Fotos und Geschichten aus ihrem Alltag auf Facebook gestellt.

Daniela Ebinger
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David und Debora Meister mit ihren Buben Kilian, Elias und Lionel bei den Schafen auf der Weide. (Bild: Daniela Ebinger)

David und Debora Meister mit ihren Buben Kilian, Elias und Lionel bei den Schafen auf der Weide. (Bild: Daniela Ebinger)

KEFIKON. Friedlich fressen die zwei Freiberger-Pferde auf der Winterweide, was es noch zu grasen gibt. Die Pferde geniessen momentan eine ruhigere Jahreszeit. Sie werden auf dem Steig-ackerhof in Kefikon wie zu Urzeiten auf Feld, Wald und Wiese für die Arbeit eingesetzt. «Es müssen nicht immer schwere Maschinen zum Einsatz kommen», sagt Bäuerin Debora Meister und nennt ihre Arbeit «die reine Leidenschaft».

Dem verbreiteten Motto «Zeit ist Geld» wollen die Meisters mit ihrer Arbeitsauffassung ein wenig entgegenwirken. Sie leben sehr viel mehr nach der alten Weisheit «In der Ruhe liegt die Kraft». Finanziell über Wasser hält sich die Familie nicht nur mit ihren 25 Milchkühen und dem Getreideanbau, sondern auch mit ihrem kleinen Hofladen, der stetig wächst und sich mit neuen Ideen weiterentwickelt. Dorthinein steckt die Bäuerin viel Liebe und Elan.

Jeden Tag ein Eintrag

Für die Feld und Hofarbeit ist grösstenteils David Meister verantwortlich. Wobei er genauso im Haushalt mithelfe, wie seine Ehefrau bei der Arbeit auf dem Hof.

Darüber und über ihren Alltag berichtete Debora Meister ein Jahr lang regelmässig auf Facebook. «Wir wurden vom Schweizer Bauernverband angefragt», sagt die Bäuerin. Der Grund dafür war das UNO-Jahr, das 2014 ganz den bäuerlichen Familienbetrieben gehörte. In diesem Zusammenhang berichteten insgesamt 27 Bauern-Familien aus der ganzen Schweiz regelmässig auf Facebook. Das Projekt hiess «Mein Bauer. Meine Bäuerin». Damit sollte die Bevölkerung am Wirken in der Landwirtschaft teilhaben können.

Spontane Besuche

17 Bauernfamilien werden auch in diesem Jahr ihre Berichterstattung auf dem sozialen Netzwerk weiterführen. Dazu gehört auch die Familie Meister. «Obwohl das Schreiben nicht zu meinen Stärken zählt, machte es mir immer mehr Spass», sagt die Bäuerin. Im vergangenen Jahr berichtete Debora Meister mindestens fünfmal in der Woche auf Facebook und das Fotografieren wurde zu einer Leidenschaft.

Sie freute sich über das grosse Interesse von überall her, den vielen Kommentaren und Links. Sie bekam auch Karten zugeschickt von Leuten, die ihre Einträge gelesen hatten, Mails über ihre Homepage und spontane Besuche auf dem Hof.

Erst seit kurzem Bauern

Die junge Familie bewirtschaftet den Bio-Betrieb Steigackerhof erst seit drei Jahren. Zum Hof gehören 21,5 Hektaren Land, auf dem Bio-Gemüse und Früchte sowie verschiedenes Korn und Gras zum Weiden und Heuen wachsen. Ebenso gehört ein Waldstück zum Betrieb. Auf dem Hof wohnen nebst der fünfköpfigen Familie, den zwei Pferden und den 25 Milch-Kühen auch Hund Jolly, ein Stier, Hühner, Gänse, Schafe, Laufenten und Bienen.

Bauer David lernte zuerst Schreiner und absolvierte anschliessend die Landwirtschaftsausbildung in Solothurn. Dann bildete er sich zum Betriebsleiter weiter. Seine Ehefrau war zuvor als Keramikdesignerin tätig. Das Ehepaar pachtete den grossväterlichen Hof vor drei Jahren. Zuvor führte der Onkel von Debora Meister den Bio-Betrieb.

Ein Zuhause für Jugendliche

Momentan absolviert eine Lehrtochter die Ausbildung auf dem Hof. Zudem finden Jugendliche mit schwierigem Hintergrund Halt und ein Zuhause bei Meisters. Sie hoffen, den jungen Menschen die Werte der Natur und der Landwirtschaft auf eine gute Art und Weise vermitteln zu können.