Das Attentat von Sarajewo

29. Juni 1914. Die TZ bringt unter dem Titel «Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers und seiner Gemahlin» den ersten Bericht über den Anschlag in Sarajewo.

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Am 2. August 1914 erschien eine Sonderausgabe der Thurgauer Zeitung, in der die Daten der Mobilmachung berichtigt werden. (Bild: Donato Caspari)

Am 2. August 1914 erschien eine Sonderausgabe der Thurgauer Zeitung, in der die Daten der Mobilmachung berichtigt werden. (Bild: Donato Caspari)

Die gestrigen Abendstunden haben uns aus der österreichisch-ungarischen Monarchie die erschütternde Meldung von einem neuen Fürsten-Drama gebracht. Es ist die Nachricht von einer neuen gewaltsamen Änderung in der habsburgischen Thronfolge, die für die Geschichte des sonst schon so schwer geprüften Landes von der grössten Bedeutung ist. Der österreichische Thronfolger Prinz Franz Ferdinand und seine Gemahlin die Fürstin von Hohenberg sind in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo bei einer offiziellen Fahrt durch die zum Empfang festlich geschmückte Stadt nach einem ersten misslungenen Bombenattentat aus der Menge heraus erschossen worden. Es handelt sich zweifellos um einen politischen Mord nationalistischen Charakters, und man wird wohl nicht irre gehen, wenn man das Attentat auf eine Verschwörung serbisch-bosnischer Fanatiker zurückführt.

Der Kaiser erfuhr es in Ischl

Kaiser Franz Josef, der vorgestern zur endgültigen Heilung seiner Lungen in Ischl eingetroffen war, muss den Becher der Leiden und tödlichen Überraschungen bis zur Neige leeren, und die Härte des Schicksals verschont nicht einmal seine 84 Jahre.

Schon der dritte Mord

Sein einziger Sohn und seine Frau sind ihm durch Mord entrissen worden. Und jetzt zerstört ein dritter Mord von neuem die Hoffnungen, die der greise Herrscher für die Zukunft seines Reiches in den zur vollen Reife gelangten und für die höchste Stelle in jahrzehntelanger Sorge vorbereiteten Neffen gelegt hatte.

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