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«Dann reicht Lachen nicht mehr»

Ob sich die Leute nicht mehr auf die Strasse trauen, weil es so gefährlich ist, das wissen die Frauenfelder Theaterschauspieler Markus Keller und Uwe Schuran nicht. Was aber sicher ist: Heute abend geht die sechste Staffel ihrer satirischen Wochenschau KellerSchuran zu Ende.
Mathias Frei
Ein Bild aus der fünften Staffel: Uwe Schuran und Markus Keller. (Bild: Reto Martin)

Ein Bild aus der fünften Staffel: Uwe Schuran und Markus Keller. (Bild: Reto Martin)

Macht es Sie glücklich, wenn die sechste KellerSchuran-Staffel heute abend zu Ende geht? Oder stolz?

Uwe Schuran: Glücklich und stolz. Wenn man daran denkt, dass wir KellerSchuran seit sechs Jahren und zu zweit durchgezogen haben, macht es mich stolz. Glücklich bin ich, dass die Show gut angekommen ist. Vielleicht mit Abstrichen bei den Zuschauerzahlen der aktuellen Staffel. Trotzdem wird KellerSchuran wohl eines meiner herausragenden Projekte sein.

Markus Keller: Neben Stolz und Glück schwingt für mich auch Erleichterung mit. Weil KellerSchuran immer sehr anstrengend ist.

Was würde für eine siebte Staffel sprechen?

Keller: Dass uns die Geschichten nicht ausgehen. Aber es gibt ja immer etwas zu erzählen gibt. Unsere Erzählformen sind gegen oben offen.

Schuran: Nebst Gründen, die dafür sprechen, gibt es auch Argumente gegen eine Weiterführung. Das ist zum einen die Finanzierungsfrage. Ob die Stiftung, die uns dieses Mal unterstützt, dies weiterhin tut, ist ungewiss. Und vom Kanton ist wohl keine Unterstützung zu erwarten. Zudem erlebten wir in dieser Staffel, in der Börsensprache ausgedrückt, einen Kurssturz. Die nackten Zahlen sagen, dass wir nur halb so viele Zuschauer hatten wie budgetiert. Da fragen wir uns schon: Ziehen wir noch?

Wer kommt für diese finanzielle Einbusse auf?

Schuran: Wir.

Keller: Jede Staffel haben wir abgeschlossen und dann entschieden, ob wir weitermachen. Das wird auch dieses Mal so sein.

Wenn KellerSchuran abtreten, verliert Frauenfeld etwas?

Schuran: Das muss man die Frauenfelder fragen.

Keller: Klar, es wird etwas fehlen. KellerSchuran hatte Kontinuität. Wenn etwas Regelmässiges zu Ende geht, fehlt etwas. Aber das schafft auch wieder Platz für Neues.

Wie viele Shows gaben Sie sich, als es im Herbst 2010 im Dreiegg-Rohbau losging?

Keller: Drei Abende, elf waren aber geplant.

Schuran: Wir sagten uns: Wenn nach drei Abenden niemand mehr kommt, hören wir auf.

Der Grund, dass Sie weitergemacht haben, war also der Publikumszuspruch?

Schuran: In den vergangenen zwei, drei Jahren hatten wir ja wahnsinnige Zuschauerschnitte, vergangenes Jahr bei der fünften Staffel durchschnittlich 120 zahlende Besucher pro Show. Nun kann man sagen, wir hätten nach der fünften Staffel aufhören sollen. Aber wir haben weiterhin grossen Spass, KellerSchuran zu machen.

Keller: Andere Künstler in vergleichbaren Satireformaten haben auch Baissen auszuhalten.

Sie haben es schon angesprochen: KellerSchuran ist kräftezehrend.

Schuran: Es gibt Momente, in denen man sich eingestehen muss, dass man nicht mehr mag.

Keller: Nach neun Wochen ist wirklich «Flasche leer».

Schuran: Und man steckt eigentlich immer in einer latenten Unzufriedenheit. Man würde es gerne besser machen und mehr. Wenn wir anderen Theaterleuten erzählen, dass wir das zu zweit realisieren, glaubt uns das keiner. Oder die Leute fragen, ob wir achtmal das gleiche Programm zeigen.

Keller: Neun Wochen für ein solches Format stellen die Grenze dar. Man hat Kreativitätsdruck, sozusagen auf Abruf. Mal funktioniert das besser, mal weniger.

Wie verändert einen ein Projekt wie KellerSchuran?

Keller: Mein Blick hat sich geschärft. Ich habe teils fast schon journalistische Techniken entwickelt.

Schuran: Bei mir hat sich viel verändert durch das dauernde Lesen und Nachdenken darüber. Ich war im Studium politisch. Später habe ich mich auf Theater konzentriert, wobei Theater ja auch politisch ist. Aber da ging's halt ums Spielen. Durch das Geschichtenerzählen bei KellerSchuran bin ich in meinem Denken und Handeln sehr viel konsequenter geworden. Heute beziehe ich klarer Stellung, etwa zur Flüchtlingssituation oder zu gewissen Initiativen in der Schweiz. Bei KellerSchuran ist das aber schwierig, weil das ernste Themen sind. Alle sitzen da, und es wird eine Art Publikumsbeschimpfung.

Keller: Und ich habe gelernt, Videofilme zu produzieren. In diesem Bereich haben wir in den vergangenen sechs Jahren eine technische Revolution miterlebt. 2010 hatten wir pro Abend 800 Megabytes Daten auf dem Laptop, nun sind wir bei 12 Gigabytes.

In der zu Ende gehenden Staffel wurden Sie politischer, Ihre Satire härter. Ist der Zeitgeist schuld daran?

Keller: Nach den Entwicklungen im vergangenen Jahr auf der ganzen Welt war es uns ein Anliegen, Dinge beim Namen zu nennen, zu versuchen, das auszusprechen. Und Formen zu finden, um darüber zu erzählen. Da standen plötzlich irgendwelche Aussagen von Politikerinnen und Politikern im Raum, die wir so einfach nicht stehen lassen konnten, sondern wir mussten das übersetzen.

Schuran: Man muss solche Debatten nur mal auf Facebook oder in Online-Kommentaren von Zeitungen mitverfolgen. Was die Leute da rauslassen. Und man fragt sich: Warum sind die Leute so radikalisiert?

Keller: Das hat sich in den letzten Jahren extrem verschärft.

Schuran: Irgendwann reicht es nicht mehr, darüber zu lachen.

Sie haben in Kauf genommen, dass einem bisweilen das Lachen im Halse stecken blieb.

Keller: Das gehört zu unserer Spielform. Es gibt Grenzen, und wir spielen mit ihnen.

Schuran: Für mich war zum Beispiel mein Hinweis auf den Hintergrund der Zahl 88 im SVP-Musikvideo wichtig. Nach der Show gab es von Besuchern negative Reaktionen.

War die erfolgreiche fünfte Staffel dank der Stadtpräsidentenwahl zu lustig und zu bekömmlich?

Keller: Die fünfte Staffel war äusserst dankbar. Die drei Kandidaten haben sich selber produziert, wir mussten nur die Ernte einfahren. Vielleicht sind die Leute nun nach den Eidgenössischen Wahlen vergangenen Herbst satt geworden.

Schuran: Und vielleicht trauen sie sich ja wirklich nicht mehr auf die Strasse, weil es so gefährlich ist, wie die SVP sagt.

Mindestens einmal stehen Sie nun noch als KellerSchuran auf der Bühne, am KiK in Kreuzlingen.

Schuran: Das wird ein Wettkampf. Wir treten gegen den besten Kabarettisten des Thurgaus an. Es ist für uns eine Ehre, am KiK aufzutreten, obwohl es sich finanziell nicht lohnt.

Keller: Der Thurgauer Abend wird als Höhepunkt beworben. Ein Dorfer kommt nicht für nichts nach Kreuzlingen. Von uns wird das aber erwartet. Das tut ein wenig weh.

Heute abend, 20.30 Uhr, Restaurant Dreiegg, Frauenfeld: Abschluss-Show der sechsten Staffel KellerSchuran, Gast: Anders Stokholm, Stadtpräsident von Frauenfeld

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