Dampfschiff kann man nachbauen

Ein Nachbau des Raddampfers «Schaffhausen» sei machbar, sagt Markus Henne von der Hochschule für Technik in Rapperswil. Ein solches Schiff dürfte allerdings rund 11 Millionen Franken kosten, 4 Millionen Franken mehr als ein handelsübliches Motorschiff.

Barbara Hettich
Drucken
Teilen
Der Raddampfer Schaffhausen wurde 1912/13 von den Gebrüdern Sulzer entwickelt und gebaut. 1967 hat man ihn verschrottet. (Bild: pd)

Der Raddampfer Schaffhausen wurde 1912/13 von den Gebrüdern Sulzer entwickelt und gebaut. 1967 hat man ihn verschrottet. (Bild: pd)

Schaffhausen. Alte Raddampfer sind eine touristische Attraktion. Auf dem Bodensee gibt es die «Hohentwil». Der letzte Raddampfer, der auf Untersee und Rhein verkehrte, wurde 1967 verschrottet. Jetzt steht seit längerem die Frage im Raum, ob ein Nachbau möglich wäre. 2008 hat der Schaffhauser Kantonsrat Eduard Joos (FDP) ein entsprechendes Postulat lanciert. Im Thurgau hat Kantonsrat Hansjörg Lang (FDP) nachgezogen. Markus Henne, Professor an der Hochschule für Technik in Rapperswil, hat sich als gebürtiger Schaffhauser für diese Frage brennend interessiert und sich dieser Thematik angenommen. An der Medienorientierung zum Saisonauftakt der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein hat er seine Studie präsentiert.

Originalgetreu und modern

Das Fazit der Studie: Ein Nachbau ist machbar. Die grosse Herausforderung sei dabei allerdings, möglichst originalgetreu zu bleiben und doch den heutigen Anforderungen zu genügen. Eine Replika der alten «Schaffhausen» stehe – ganz abgesehen von der Komfortfrage – vor allem wegen der heutigen gesetzlichen Vorschriften ausser Frage. Nur schon die Tragfähigkeit eines originalgetreuen Nachbaus wäre aus kommerzieller Sicht zu niedrig.

Aus wirtschaftlichen Gründen sollte das Schiff, wenn man es als Kursschiff einsetzen will, über eine Transportkapazität von mindestens 400 Personen verfügen, wobei rund 120 Plätze gastronomietauglich sein müssten. «Wir haben versucht, Nostalgie und Innovation zu vereinen», sagt Markus Henne. Dazu müsse aber ein neuer Schiffstyp konzipiert werden.

«Dampfschiffe haben aufgrund der seitlichen Schaufelräder einen sehr schlanken Schiffskörper und verfügen deshalb über eine nur geringe Querstabilität», erklärt Markus Henne die Problematik. Dieser könnte man mit einer Verbreiterung des Schiffskörpers begegnen: Eine Verbreiterung um 1,2 Meter gegenüber dem Original auf 6,3 Meter und mit einer Taillierung im Bereich der Schaufelräder. Entsprechend müsste der Schiffskörper um 3,5 Meter auf 48 Meter verlängert werden. Den Kamin könnte man teleskopisch einziehbar konstruieren, dies würde gegenüber einem absenkbaren Kamin Platz einsparen. Damit sich ein stundenlanges Einheizen des Dampfkessels erübrigt, wäre ein Direktdampferzeuger eine mögliche Lösung. Die betrieblichen Anforderungen könnten so zu einem schlüssigen Ganzen kombiniert werden.

Rund 11 Millionen Franken dürfte ein solcher Nachbau kosten, schätzt Markus Henne. Etwa 4 Millionen mehr als ein handelsübliches Motorschiff. Grund für die Mehrkosten sei insbesondere der Antriebsstrang, dies könne man nicht ab Stange kaufen, dazu brauche es ein neues Engineering.

Weitere Studie abwarten

Bei der URh hat man die Studie zur Kenntnis genommen. Gemeinsam mit den Kantonen Schaffhausen und Thurgau habe die Schifffahrtsgesellschaft bei der Firma Shiptec in Luzern eine zusätzliche Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, sagt Verwaltungsratspräsident Walter Sommer. «Wir wollen es noch genauer wissen.» Wenn die Studie vorliege, dann sei die Politik wieder an der Reihe. Denn eines ist für Walter Sommer klar: Die URh könne ein solches Schiff nicht finanzieren.

Aktuelle Nachrichten