Dampfer ohne Dämpfer

Pro Dampfer hat mittlerweile über 1900 Mitglieder. Im kommenden Jahr verfügt der Verein über so viel Geld, dass er die Pläne zur Konstruktion des Öko-Dampfers in Auftrag geben kann. Dann entscheidet auch die URh, ob sie dabei ist.

Gudrun Enders
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Vereinspräsident Eduard Joos betrachtet das Modell eines Raddampfers im Seemuseum Kreuzlingen. (Archivbild: Reto Martin)

Vereinspräsident Eduard Joos betrachtet das Modell eines Raddampfers im Seemuseum Kreuzlingen. (Archivbild: Reto Martin)

«Wir wollen gar nicht unbedingt mehr Vereinsmitglieder.» Das sagt Eduard Joos als Präsident von Pro Dampfer. «Wir suchen im Moment mehr Mitglieder für den 1000er-Club.» Diesem Club sind inzwischen über 130 Personen beigetreten, indem sie 1000 Franken eingezahlt haben. Deshalb verfügt der Verein nun über 135 000 Franken Kapital. Im Lauf des nächsten Jahres wird Pro Dampfer dann 200 000 Franken auf der hohen Kante haben.

So viel kosten die Konstruktionspläne für ein Schiff mit Dampfantrieb und einem Tank für Holzpellets. Auch der Modellversuch im Strömungskanal ist dann schon finanziert. Allein ein Jahr dauere es, diese Pläne zu erarbeiten, schätzt Präsident Joos. Den Auftrag zur Detailplanung würde Pro Dampfer im Frühling 2016 erteilen. Ein Jahr später müsste das Schiff in einer Werft bestellt werden, soll die Jungfernfahrt 2020 erfolgen.

Geld von der EU anzapfen

Bis zu zwölf Millionen Franken kostet der moderne Öko-Dampfer. Woher das Geld dafür kommen kann, darüber hat sich Präsident Eduard Joos – Kantonsrat, Lehrer und Historiker aus Schaffhausen – schon intensiv beraten. Gute Chancen rechnet er sich aus, um mit dem Gesamtprojekt aus dem Interreg-Topf EU-Gelder zu holen. «Da liegen mehrere Millionen drin, und wir könnten so bis zu 50 Prozent der Gesamtkosten erhalten», sagt Joos. Allerdings wären sie in dem Fall als Verein zu wenig schlagkräftig. Pro Dampfer und die URh müssten eine gemeinsame juristische Basis in Form einer Stiftung schaffen.

Ein Viertel mehr Fahrgäste

In diesem Jahr legte Pro Dampfer auch einen Kultur-Businessplan vor. Den hat Werber und Kulturmanager Wendel Oberli aus Neuhausen erarbeitet. Sein Fazit: «Ein Dampfschiff ist nicht defizitär.» Es würde sogar Geld in die Kassen der URh spülen. Im Vergleich zu einem Motorschiff habe ein Dampfer eine längere Lebensdauer und weniger Tiefgang. Letzteres sei ein Vorteil bei Niedrigwasser.

Einen Viertel mehr Fahrgäste prognostiziert der Kultur-Businessplan allein dank der Attraktion Öko-Dampfer. Diese Zahl will URh-Geschäftsführer Remo Rey nicht ohne Widerspruch stehen lassen: «Historische Dampfer sind sehr beliebt bei Nostalgiefans.» Aber ob ein moderner Dampfer ebenso viele Anhänger anlocke, liesse sich kaum vorhersagen. «Wenn es tatsächlich so wäre, wäre das sehr schön.»

URh äussert sich im Mai

Pro Dampfer arbeitet zielstrebig daran, dass ein Öko-Dampfer ab 2020 auf Untersee und Rhein verkehrt. Doch will das auch die URh? Die müsste schliesslich mit solch einem Schiff fahren. «Wir sind offen», sagt der neue Geschäftsführer Rey. Verein und URh stünden im Gespräch.

Vorerst wird es seitens der Schiffsbetriebe keine definitive Antwort zum Dampfer geben. Denn im Moment feilt die URh an ihrer Strategie. «Wir wollen uns verstärkt aus eigener Kraft finanzieren», sagt Rey. In der Strategie solle unter anderem festgelegt werden, welche Fahrgäste zukünftig verstärkt angeworben werden. Zudem will sich die URh mehr als Tourismusunternehmen positionieren. Mit ihrer Strategie bis mindestens 2020 wird sich die URh auch auf eine Flotte festlegen. Im Mai lässt die URh also laut Geschäftsführer Rey die Katze aus dem Sack – ob sie sich eine Zukunft mit Öko-Dampfer vorstellt oder nicht.

Wendel Oberli Verfasser des Kultur-Businessplans (Bild: pd)

Wendel Oberli Verfasser des Kultur-Businessplans (Bild: pd)

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