Da wird Papa zum Hooligan

BERG. Am Bambini-Fussballturnier in Berg ging es drunter und drüber. Doch nicht die sechsjährigen Buben haben sich daneben benommen, sondern die Erwachsenen. Am Ende gab es weinende Kinder und sogar rassistische Bemerkungen.

Rahel Haag
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Schiedsrichter haben viel zu tun: Nun müssten sie sogar die ehrgeizigen Eltern per roter Karte des Platzes verweisen. (Bild: ky)

Schiedsrichter haben viel zu tun: Nun müssten sie sogar die ehrgeizigen Eltern per roter Karte des Platzes verweisen. (Bild: ky)

Am Samstagnachmittag findet auf dem Sportplatz in Berg ein Bambini-Fussballturnier statt. Es spielt der FC Kreuzlingen gegen den FC Märstetten. Märstetten führt mit 2:0. Plötzlich marschiert ein Vater mitten im Spiel aufs Fussballfeld, nimmt den etwa sechsjährigen Goalie des FC Kreuzlingen an die Hand und ruft: «Auswechseln! Der hält ja nichts, die Pfeife.» Im selben Spiel stürmt ein anderer Vater ebenfalls aufs Feld und schüttelt seinen Sohn, bis dieser anfängt zu weinen.

«Die Väter sind daraufhin vom Trainer verwarnt worden», sagt Patrick Küng vom Verein SC Berg, der das Bambini-Fussballturnier organisiert hat.

Überforderter Schiedsrichter

Bei dem ersten Vater handelt es sich um Roman Lehmann, dessen Sohn beim FC Kreuzlingen spielt. Aus seiner Sicht lief alles ganz anders ab. Er wandte sich mit einem Leserbrief an die TZ, der die Redaktion am Sonntagmorgen um 4.43 Uhr per Mail erreichte. In diesem Brief beschreibt er, dass im zweiten Spiel des FC Kreuzlingen gegen die Mannschaft aus Münsterlingen ein erst etwa Neunjähriger als Schiedsrichter eingesetzt worden und mit dem Spiel völlig überfordert gewesen sei. Anschliessend habe der Verein gefordert, einen eigenen, mitgereisten Schiedsrichter einsetzen zu dürfen. Das sei abgelehnt worden. «Als ein angetrunkener Verantwortlicher dann auch noch an der Seitenlinie bestimmte, wann und für wen gepfiffen wird, hat unser Trainer Protest eingelegt», schreibt Lehmann weiter. Schliesslich habe sich ein Mann – der sich laut Lehmann als Oberboss bezeichnete – eingeschaltet und die Mannschaft des FC Kreuzlingen offiziell vom Turnier ausgeschlossen.

«Ihr seid keine Schweizer»

Schliesslich waren aus dem Publikum Zwischenrufe wie: «Bei uns in der Schweiz gibt es nur unsere Gesetze, nicht wie bei euch.» Und: «Ihr Kreuzlinger seid keine Schweizer», zu hören. Lehmann ist Deutscher. Als Vater, dessen Sohn Mitglied des Schweizerischen Fussballverbandes ist, fordert er eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls. Den Leserbrief werde er an Schweizerische sowie internationale Medien weiterleiten. Lehmann schliesst mit dem Satz: «Diese Weiterleitung mache ich, um eine Veränderung in der Gedankenstruktur der Allgemeinheit zu schaffen, im Dienste unserer Kinder.»

Patrick Küng weist darauf hin, dass die Mannschaft des FC Kreuzlingen nicht ausgeschlossen worden sei. «Wir versuchten zu schlichten, als das nicht gelang, mussten wir das Spiel abbrechen.»

In einem Brief an die Eltern schreibt Daniel Geisselhardt, Präsident des FC Kreuzlingen: «Leider hat sich ein Fehlverhalten der Begleitpersonen des FC Kreuzlingen bestätigt.» Dazu werde es Gespräche mit den Trainern und Eltern geben. «Unbestritten sind auch Ausfälligkeiten gegenüber den Kreuzlingern, die so nicht passieren dürfen», heisst es weiter.

Geisselhardt kennt die Problematik mit zu ehrgeizigen Eltern und bezeichnet den Vorfall als Sturm im Wasserglas. «Fussball ist ein emotionaler Sport», sagt er. Und in Berg sei das eben stärker der Fall gewesen als gewöhnlich. «Für uns ist das Thema abgeschlossen.» Er habe in den vergangenen Tagen zahlreiche Gespräche geführt – unter anderem auch mit Roman Lehmann. Die Konsequenz: «Beim nächsten Spiel wird unser Nachwuchschef Paul Nay anwesend sein.»

Kinder wollten nur Spass haben

Dass sich Eltern einmischen, komme immer wieder vor. «Es gilt aber die Regel, dass während eines Spiels nur der Trainer hineinruft und den Spielern Anweisungen gibt», sagt Geisselhardt. Zudem sei es besonders bei den Kleinen wichtig, dass die Freude am Fussball und nicht die Resultate im Vordergrund stünden. «Anders als ihre Eltern, wollten die Kinder am vergangenen Samstag nur ihren Spass haben.»