Da löst sich viel Geld in Rauch auf

Gemütlich am See sitzen und eine Shisha rauchen. Dafür müssen Shisha-Liebhaber bald tief in die Tasche greifen. Der Bundesrat hat die Importsteuer auf Shisha-Tabak per 1. Mai drastisch erhöht. Praktisch über Nacht hat sich der Preis des Shisha-Tabaks somit verdoppelt.

Perrine Woodtli
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Das Shisha-Rauchen ist besonders unter Jugendlichen sehr beliebt. (Archivbild: Ralph Ribi)

Das Shisha-Rauchen ist besonders unter Jugendlichen sehr beliebt. (Archivbild: Ralph Ribi)

Diese Steuer kam völlig überraschend. Per sofort erhob der Bund ab 1. Mai eine Mindeststeuer von 80 Franken pro Kilo Shisha-Tabak – so viel wie bisher etwa das Kilo Tabak im Handel kostete. Aufgrund dieser neuen Mindeststeuer verdoppelte sich der Verkaufspreis über Nacht. Bislang betrug die Importsteuer 10 Prozent des Verkaufspreises – je nach Tabakqualität waren das rund 7 bis 12 Franken.

Fertige Ware verspätet sich

Auch Stefan Meile vom Onlineshop Shisha-König mit Sitz in Aadorf war geschockt, als er vom Entscheid des Bundesrats erfuhr. Über seinen Onlineshop verkauft er schweizweit Shishas, Shisha-Tabak und Zubehör und beliefert Privatpersonen, Shisha-Shops oder Bars. «Durch die Erhöhung der Importsteuer wird der Shisha-Tabak mindestens doppelt so teuer. Immerhin hat sich die Steuer von 10 auf 25 Prozent erhöht», sagt Stefan Meile.

Bis dato habe er noch keine frische Tabakware erhalten. «Normalerweise erhalten wir regelmässig neuen Tabak», sagt Meile und ergänzt: «Durch diesen Entscheid verschiebt sich jetzt jedoch alles.» Jeder Shisha-Tabak ist laut Meile mit einer Etikette versehen. Auf dieser stehen der Kaufpreis und eine Revers-Nummer, mit der der Importeur identifiziert werden kann. «Da die Importsteuer erhöht wurde, stimmen alle Etiketten nicht mehr. Diese müssen nun zuerst erneuert werden, bevor die Ware importiert werden kann.» Somit stehen derzeit bei den Produzenten fertige Shisha-Tabaks herum, die darauf warten, bis sie neu etikettiert werden. «Das alles nimmt viel Zeit in Anspruch.»

Einmal will keiner der erste sein

Wann Meile seine neue Tabakware erhält, weiss er noch nicht. «Vielleicht Ende Juni, aber das steht noch nicht fest, da der Prozess noch nicht abgeschlossen ist.» Zudem will laut Meile keiner der Shisha-Händler der erste sein, der den Tabak mit dem neuen Preis verkauft. «Alle warten, bis einer den ersten Schritt macht. Je nachdem, für welchen Preis sich dieser entscheidet, verkaufen die anderen ihren Tabak vielleicht um fünf Franken günstiger», sagt Meile.

Auf den Tabak, den er noch im Shisha-König-Vorrat hat, gab es in den vergangenen Wochen einen Ansturm. «Alle Kunden und Händler wollen noch möglichst viel Tabak zum günstigen Preis kaufen», sagt Meile. Der Inhaber befürchtet, dass mit den neuen Preisen Kunden verlorengehen. Gerade die jüngeren Kunden könnten es sich jetzt zweimal überlegen, noch einen Tabak zu kaufen. «Klar wird das die Shisha-Raucher beeinflussen. Die Shishas werden aber nicht verschwinden.» Die Wasserpfeife hat sich etabliert. Viele Konsumenten greifen, wie Stefan Meile feststellt, nicht mehr zur Zigarette, sondern lieber zur Shisha. Die Kunden würden wegen des höheren Preises sicher nicht aufhören, Shisha zu rauchen, sondern dies reduzieren, meint er. Schliesslich sei jedes Budget beschränkt. Oder sie fänden einen Weg zu günstigerem Tabak.

Der Kunde muss leiden

Auch wenn Stefan Meile den Schritt vom Bundesrat nachvollziehen kann, kritisiert er ihn. «Das war eine Nacht-und-Nebel- Aktion. Man kann doch nicht etwas am 30. April bestimmen und am 1. Mai in Kraft setzen. Niemand wusste davon.» Für die Schweizer Kunden und auch Händler sei das gemein, wie Meile sagt. Mit der Importsteuererhöhung will der Bund den Schmuggel von der Schweiz nach Deutschland oder auch Frankreich oder Österreich unterbinden. Laut Meile wurde der importierte Tabak zu 80 Prozent ins Ausland geschmuggelt. Dies geschah aufgrund der tieferen Steuern im Vergleich zum Ausland. «Ich finde, es ist der falsche Weg, das Problem über höhere Steuern lösen zu wollen. Einige Importeure haben schon gesagt, dass sie ihr Geschäft unter diesen Umständen einstellen werden», sagt Meile. Er selbst findet es einfach unfair. «Dem Schweizer Kunden gegenüber, der darunter leidet, aber auch gegenüber den Shisha-Händlern, die normal geschäftet haben.»

Vielen ist die Shisha als Wasserpfeife bekannt. (Bild: Fotolia)

Vielen ist die Shisha als Wasserpfeife bekannt. (Bild: Fotolia)