Da Lang?

Turmspatz

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Ich mache es mir gerade auf dem Anlegesteg in Mammern bequem, da rauscht ein arg zerzauster Vogel heran und ruft «Da lang?». – «Kommt darauf an, was du suchst.» – «Uff de Schnelle jesacht die Heemat.» Der Neuankömmling setzt sich neben mich. «Elster von der Spree, ick komm aus Berlin.» «Dann hast du dich verflogen. Deine Heimat ist weit im Norden.» Herr Elster schaut mich streng an. «Nu werd ma hier nich pampich! Wo meene Heemat is, wees ick selba. Ick such den Jeburtsort des Löwen.» «Die Löwen sind schon aus dem Thurgau», versuch ich ihn zu beruhigen, «erzähl mal lieber die ganze Geschichte.»

«Vor een paar Tachen komm ich an sone Villa. Neujahrsempfang der Schweizer Botschaft. Nüscht wie hin!, sag ick mir, da kann ma een picheln. Dit Essen schmeckte leida wie einjeschlaf’ne Füsse, so stinkicher Käse. Allet een riesijer Zirkus! Aber da hat eena Klavier jespielt und jesungen. Dit reene Vagnüjen! Salonlöwe hiess dit Janze.» – «Ist unser David Lang tatsächlich in der Schweizer Botschaft aufgetreten?» – «Bei dir dauat det ooch lange, bis de Groschen jefallen is, wa?» Wir drehen eine Runde, ich zeige der Berliner Elster das ganze Dorf und bekomme am Ende ein schönes Taschengeld. «Ich mache jetzt Lang-Führungen in Mammern», erkläre ich meiner Frau beim Abendessen. «Dit is jefragt bei die Berliner. Da jibbet nüscht zu meckaan!»