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Da draussen bei den Heiden

Die Sonntagsschule hat sich gewandelt. Die Ziele sind aber die gleichen geblieben: Den Kindern christliche Werte vermitteln.
Christine Luley (text) Reto Martin (fotos)
Früher wurden Sonntagsschulkinder mit Märkchen belohnt. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Früher wurden Sonntagsschulkinder mit Märkchen belohnt. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Warf man ins Negerli einen Batzen hinein, nickte es dankbar. Der Nickneger – heute als rassistisch empfunden – war das Symbol einer ganzen Sonntagsschulepoche. In Sonntagsschulen vermitteln die evangelische Kirche und Freikirchen Kindern religiöses Wissen. Einstige Sonntagsschüler erinnern sich noch gut an den Nickneger: Demütig, mit gefalteten Händen kniete die Figur auf dem Spendenbehälter.

Die Spenden waren für die Armen in Afrika bestimmt. Das wussten in den 60er-Jahren auch die Sonntagsschulkinder in Weiningen. Christine Schiffmann hatte ihnen erklärt, dass Christen den Auftrag hätten, den Heiden vom Heiland zu erzählen, und dass die Missionare dazu Geld benötigten. Die Sonntagsschullehrerin konnte in ihrem warmen Berndeutsch so lebendig erzählen, dass die Kinder glaubten, das Mosesknäblein, versteckt vor dem bösen Pharao, in einem Weidenkorb am Ufer des Nils vor sich zu sehen.

Biblische Botschaften erreichen die Herzen der Kinder

An den meisten Orten im Thurgau fand die Sonntagsschulfeier am 4. Adventssonntag statt, in Thundorf hiess sie Christbaumfeier und war am 26. Dezember. Maria oder wenigstens ein Engel, das waren die Wunsch-Rollen der grösseren Meitli beim Krippenspiel. Von grosser Bedeutung war auch, wessen Bäbi als Jesuskind im Stroh liegen durfte. Auch die kleineren Kinder erhielten Texte zum Aufsagen. «Als ich noch nicht lesen konnte, hat mir meine Mutter Sätzli um Sätzli vorgesprochen, ich habe sie wiederholt, bis ich alles auswendig konnte», erinnert sich eine Frau.

Die grosse Tanne mit roten Kerzen in der Kirche war etwas Besonderes, denn das Christkind brachte in die heimischen Stuben meist nur kleine Christbäume. Während der Feier warfen die Kinder immer wieder einen Blick auf die grosse geflochtene Wäschezaine. Weininger Sonntagsschulkinder erinnern sich gerne an die Geschenke. Klara H. hatte grosse Freude an einer Strumpfkugel, in welche ihr Name graviert war. Eine andere Frau durfte eine Schere mit der Gravur «Margrit» in ihre Nähschachtel legen. Andere zählen auf: Bilderbibeln, Tassen oder Teller mit dem Abbild der Kirche. Als Beigabe wurde oft noch ein Zöpfli oder ein Elggermaa (Grittibänz) an die Kinder abgegeben.

An einigen Orten erhielten die in die Kinderlehre übertretenden Sonntagsschüler ein Kirchengesangbuch oder eine Bibel. Heidi K. hat ihre in buntem Schutzpapier eingefasste Bibel aufbewahrt: «Weihnacht 1960, Sonntagsschule Walkringen» steht in der kunstvoll geschwungenen Widmung.

Noch heute klingen die Lieder nach

Früher ging man ganz selbstverständlich in die Sonntagsschule – es gehörte zur Tradition. Wohl brauchte es Disziplin, um 40 Kinder im Zaum zu halten. Neben dem Erzählen der biblischen Geschichten wurde viel gesungen: Noch heute können Ehemalige Lieder abrufen: «Weil ich Jesu Schäflein bin», «So nimm denn meine Hände», oder «Da draussen bei den Heiden».

Aus einem Liederbuch der Sonntagsschule. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Aus einem Liederbuch der Sonntagsschule. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Diesen Nickneger rettete ein Frauenfelder aus dem Müll. (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

Diesen Nickneger rettete ein Frauenfelder aus dem Müll. (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

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