CONNYLAND: Von wegen ein halbes Jahr Ferien

Seelöwen und Papageien üben Tricks und die Techniker schrauben Bahnen auseinander.

Viola Stäheli (text) Andrea Stalder (fotos)
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Cäsar geniesst die Aufmerksamkeit von Michaela Steiner.

Cäsar geniesst die Aufmerksamkeit von Michaela Steiner.

Viola Stäheli (Text) Andrea Stalder (Fotos)

redaktion@thurgauerzeitung.ch

Missy brüllt. Sie hat Hunger und will endlich ihre morgendliche Portion Fisch. Die beiden Tiertrainer Luca Marini und Carla Santinho lachen. Ihre Hände sind kalt – gerade sind sie dabei, die Fische aufzutauen und sie in Kübel abzufüllen. Oscar, der Hahn im Korb, frisst pro Tag rund 7,5 Kilogramm Fisch, seine vier Mädels jeweils vier bis sechs Kilo. Diese Menge ist wichtig, da Seelöwen nur über ihre Nahrung Wasser aufnehmen. «Im Winter fressen sie zudem mehr als im Sommer, da sie eine Fettschicht aufbauen», erklärt Marini. Zusammen mit einem dicken Winterfell erlaubt die Fettschicht ihnen, auch bei Minusgraden im Wasser zu schwimmen. Die fünf patagonischen Seelöwen sind die Hauptattraktion des Connylands in Lipperswil. Aber halt – da gibt es jemanden, der den wendigen und cleveren Zeitgenossen Konkurrenz macht: Kater Walter.

Als sich Marini und Santinho bewaffnet mit ihren Fischkübeln auf zu den Seelöwen machen, wird klar, warum das so ist. Der rot-weiss getigerte Landlöwe legt sich mitten in den Weg und miaut die beiden kläglich an. «Ja, Walter bekommt auch im Winter genug Liebe», sagt Marini lachend. Im Sommer wird der kleine Kater von den Kindern mit Liebe überschüttet, im Winter übernehmen das die Büroangestellten, Tiertrainer und das Technikpersonal. In der kalten Jahreszeit haben sie dafür genügend Zeit.

Der Kater tauchte zu Beginn der vergangenen Saison im Park auf. Obwohl das Parkpersonal den Kater als zugelaufen ausgeschrieben hatte, liess sich kein Besitzer finden. Seither gehört die Katze zum festen Bestandteil des Connylands. «Walter geben wir nicht mehr her», sagen Marini und Santinho grinsend.

Nur jetzt können neue Kunststücke eingeübt werden

Die entspannte Atmosphäre im Park trügt. Obwohl im Winter keine Besucher im Park sind und die Trainer nicht unter dem Druck stehen, mehrere Shows täglich vorzuführen, haben Marini und Santinho doch alle Hände voll zu tun. Nur im Winter bleibt genügend Zeit, um den Seelöwen neue Tricks beizubringen und die bereits gelernten Kunststücke zu festigen. Die Trainer üben mit den Tieren aber nicht nur, um eine möglichst perfekte Show abzuliefern, sondern auch, um deren mentale und körperliche Fitness zu erhalten. Seelöwen sind clever und langweilen sich schnell, wenn sie keine Abwechslung haben. «Unsere Seelöwen laufen auch im Winter im Park umher», sagt Marini. Weder Treppen noch Eis und Schnee können sie von ihrer Neugierde abhalten. Schnee finden die Tiere besonders toll: Sie lieben es, damit zu spielen, und fressen ihn genüsslich. Das Eis hingegen kratzt an den Flossen. Angst davor, dass ihr Becken zufriert, muss indessen niemand haben: Die Tiere schwimmen im Salzwasser, das ist besser für ihre Augen.

Ebenfalls lernbegierig ist der Papagei Cäsar. Er liegt gerade auf dem Schalter des Büros – auf dem Rücken, die Beine in die Luft gestreckt. Nein, tot ist er nicht. Er macht nur Blödsinn, angewiesen von seiner Trainerin Michaela Steiner. «Ich mag den Winter lieber, dann bleibt genügend Zeit, um sich wirklich mit den Tieren zu beschäftigen», sagt die Papageienliebhaberin. Im Connyland werden acht Papageien gehalten. Sie leben das ganze Jahr über in ihrer Voliere, die im Winter mit einer Plastikplane geschützt ist. Dadurch sind die Vögel nicht der Witterung ausgesetzt.

«Papageien mögen eigentlich lieber kühle Temperaturen als die Hitze», erklärt Steiner. Entsprechend aktiv sind die bunten Vögel unterwegs – was wiederum eine echte Herausforderung für ihre Trainerin ist. Der Winter gehört in erster Linie den Jungvögeln, die derzeit zu viert sind. Ihnen bringt Steiner verschiedene Tricks bei, die sie im kommenden Sommer in den Shows vorführen sollen. Dazu gehört beispielsweise Fahrrad fahren oder Basketball spielen. «Aber es klappt nicht immer alles, wie es sollte», sagt sie. Haben die Papageien keine Lust, machen sie einfach nicht mit.

Die Kobra wird in ihre Einzelteile zerlegt

Unweit von der Papageienvoliere befinden sich leere Achterbahnwagen in Form von Baumstämmen. Sie sind säuberlich unter einem Zelt aufgereiht. Der technische Leiter des Connylands, Mark Amann, ist gerade dabei, die Wagen zu überprüfen. «Nein, auch wir haben im Winter nicht einfach frei», sagt er. Er und sein Team, bestehend aus einem Schreiner, Maurer, Elektriker und Künstler, haben die Aufgabe, alle Bahnen zu zerlegen und wieder in Schuss zu bringen. Alles muss aufs Genauste geprüft werden – nichts darf im Sommer schieflaufen. Die Wagen der Kobra, der grössten Achterbahn des Parkes, werden sogar einer externen Firma gegeben. Dort sind die technischen Mittel vorhanden, um die Wagen auf kleinste Risse zu überprüfen und die Schweissnähte zu kontrollieren.

Nebst der genauen Prüfung werden sämtliche Achterbahnwagen frisch lackiert und herausgeputzt. Die grösste Baustelle befindet sich derzeit bei der Wildwasserbahn: Hier wird die komplette Elektrik neu verlegt. Dafür musste auch ein Dekoberg weichen – die Bahn ist kaum noch als solche zu erkennen. «Im Frühling ist aber alles wieder bereit», versichert Amann.

Im Connyland herrscht im Winter reger Betrieb. Eine Ausnahme entzieht sich dem aber: Die Wasserschildkröten bei den Flamingos krümmen im Winter keine Zehe zu viel. Tief im Schlamm eingegraben, warten sie auf wärmere Tage. Nur eine Schildkröte hat ihren Platz noch nicht gefunden und wandert im Teich umher. Doch auch sie wird sich dem Winterstress entziehen und wie die Besucher des Freizeitparkes erst im Frühling die Bahnen in leuchtenden Farben und die neuen Tricks der Seelöwen und Papageien bestaunen.

Auge in Auge mit Missy – die Seelöwin übt gerade einen Trick.

Auge in Auge mit Missy – die Seelöwin übt gerade einen Trick.

Der technische Leiter Mike Amann überprüft die Wildwasserbahn. Er und sein Team haben die Achterbahn komplett zerlegt.

Der technische Leiter Mike Amann überprüft die Wildwasserbahn. Er und sein Team haben die Achterbahn komplett zerlegt.