Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Comeback der Anlehre gestoppt

Jugendliche mit schulischen Defiziten sollen nun doch kein kantonales Ausbildungsattest machen können. Der Grosse Rat hat die entsprechende gesetzliche Grundlage mit dem knappestmöglichen Resultat gestrichen: Dem Stichentscheid des Präsidenten.
Christian Kamm
Sein Stichentscheid war gefragt: Grossratspräsident Max Arnold. (Bild: Donato Caspari)

Sein Stichentscheid war gefragt: Grossratspräsident Max Arnold. (Bild: Donato Caspari)

WEINFELDEN. Die erste Hürde hatte die Vorlage gestern im Grossen Rat noch locker genommen: Mit 86 gegen 30 stimmte eine klare Mehrheit für Eintreten. Allerdings gab es bereits zu diesem Zeitpunkt viel Kritik. Das hat bei diesem Geschäft, das auf eine Motion von BDP-Kantonsrat Roland A. Huber (Frauenfeld) zurückgeht, Tradition. Auch die Motion selber war mit 59 Ja gegen 52 Nein nur knapp für erheblich erklärt worden. Gestern stiegen erneut Gewerbe- und Wirtschaftsvertreter gegen das Ansinnen auf die Barrikaden, anstelle der schweizweit abgeschafften Anlehre wieder einen Ausbildungsweg für schulisch schwache Jugendliche zu schaffen. Um so die entstandene Lücke zu schliessen und den betroffenen Jugendlichen den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Der falsche Weg

Für ein bis zwei Prozent der Schulabgänger ein neues Gefäss zu schaffen sei falsch, kritisierte der Gewerbevertreter Viktor Gschwend (Neukirch-Egnach) namens der grossmehrheitlichen FDP-Fraktion. Auch stellte er die Aussicht auf Anschlusslösungen in Frage und vermutete vor allem die Gewerbeschulen hinter der Idee. Der Thurgau solle in der Ausbildung keinen Sonderzug fahren, doppelte Walter Knöpfli (SVP, Kesswil) nach. Das schade der eidgenössischen Berufsbildung und bringe nur Umtriebe und Kosten.

Lücke schliessen

Die Befürworter verwiesen umgekehrt auf die Lücke, die in der Berufsbildung nach der Abschaffung der Anlehre entstanden sei. Zwar wurde an ihrer Stelle die zweijährige Ausbildung mit Eidgenössischem Berufsattest (EBA) geschaffen. Doch dazwischen klaffe eben eine Lücke: «Es geht um Jugendliche, die zu schlau sind für die IV, aber zu dumm für das EBA», sagte SP-Kantonsrat Turi Schallenberg (Bürglen). Dabei handle es sich um rund 20 Jugendliche pro Jahr, denen man mit dem kantonalen Ausbildungsattest eine Perspektive bieten wolle. Andernfalls würden sie früher oder später hohe Sozialkosten verursachen. Wenn nur einer dieser Jugendlichen im Jahr den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt schaffe, «würde das die Investitionskosten für dieses Gesetz bereits decken», rechnete Hansjörg Haller (EVP, Hauptwil) vor. «Es gibt sie, leistungswillige, aber schulisch schwächere Menschen», warb auch Bildungsdirektorin Monika Knill für die Vorlage. Die in der Folge aber in der Detailberatung über einen Streichungsantrag von Diana Gutjahr (SVP, Amriswil) stolperte.

Fortsetzung folgt

Gewerbe und Wirtschaft wollten kein «kantonales Berufsbildungszüglein», argumentierte Gutjahr. Mit allen Mitteln werde versucht, gegen deren Willen etwas durchzusetzen. Man müsse der EBA die Chance geben, sich zu bewähren. Und: «Es gibt einfach Leute, die keine Ausbildung haben beziehungsweise wollen.» Da half auch nichts mehr, dass Gemeindepräsidenten aus Gutjahrs eigener Partei von ihren positiven Erfahrungen mit Anlehrlingen berichteten, und Ulrich Müller (CVP, Weinfelden) argumentierte, dass keine Firma gezwungen sei, die neue Ausbildung anzubieten. In der Abstimmung über den Streichungsantrag gab es ein Patt (57:57), das Grossratspräsident Max Arnold per Stichentscheid in ein Nein umwandelte. Noch aber ist das politische Seilziehen nicht beendet: Fortsetzung folgt in der zweiten Lesung des Gesetzes.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.