CO2-neutrale Sammelwut

Südsicht

Olaf Kühne
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In Basel gibt es keine Migros-Kinder. Coop, die Pharmaindustrie und natürlich der FC Basel geben am Rheinknie den Ton an. Um so bemerkenswerter ist es, dass sich der Münchwiler Gemeindepräsident Guido Grütter – anhand seines Dialektes eindeutig als waschechter Basler identifizierbar – im Vorwort seiner Gemeindenachrichten ausgerechnet mit dem Detailhandelsriesen Coop anlegt. Es sei absurd, moniert Grütter, von den Kunden aus ökologischen Gründen 5 Rappen fürs Plastiksäckli zu verlangen und gleichzeitig die Menschheit im Rahmen von Sammelaktionen mit Plastik­figürchen zuzumüllen.

Nun könnte man dem Gemeindepräsidenten entgegenhalten, dass Konkurrent Migros bezüglich Marketingschrott auch kein Waisenknabe ist. Oder dass eigentlich die Politik, also die in Bern, die Geschichte mit den Plastiksäckli verbockt hat. Letztlich kann man ihm aber durchaus zustimmen. 300000 tote Iraker hätten es wirklich verdient, dass wir aus ihrem Öl etwas Sinnvolleres produzieren als Plastikmüll. Tanken wir mit dem wertvollen Rohstoff doch lieber unsere Sechszylinder voll. Davon leuchten an der Coop-Kasse zwar keine Kinderaugen, dafür schlagen die Herzen der grossen Buben höher. Und den Eisbären ist eh Wurst, weshalb genau ihnen die Eisscholle unter den Pfoten wegschmilzt.

Olaf Kühne

olaf.kuehne

@thurgauerzeitung.ch