Club der toten Boote

RESTZUCKER

David Angst
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Frohe Botschaft für die 560 Personen, die auf der Warteliste der Stadt Kreuzlingen für einen Bootsplatz stehen. Jedenfalls für drei von ihnen. Endlich unternimmt der Gemeinderat etwas gegen die «toten Boote». Denn im Hafen liegen nicht weniger als drei unbenutzte Boote. Ein klarer Fall von Missbrauch staatlichen Eigentums.

Damit ist jetzt Schluss. Wenn die drei Bootsbesitzer – falls sie noch leben – ein Jahr lang nicht in See stechen, werden sie abgemahnt. Und nach einem weiteren Jahr verlieren sie ihren Bootsplatz. Falls das Bezirksgericht Kreuzlingen bis dann wieder freie Kapazität hat, kann es sich dann gleich in die Materie einarbeiten. Das Beispiel Kreuzlingen dürfte als Pilotprozess durch die juristischen Instanzen gehen. Vom Bundesgericht abgesegnet, lässt sich das Prinzip dann auf andere Lebensbereiche ausweiten. Auf Baulandbesitzer, die ihr Land nicht zum Verkauf freigeben (das hatten wir doch schon mal). Jäger, die nie ein Reh schiessen, verlieren ihr Jagdpatent.

Mit dem Bundesgerichtsentscheid im Rücken geht der Staat konsequent gegen die weit verbreitete Unsitte vor, was man besitzt nicht zu brauchen. Wenn man daran denkt, wie viele Autos, Wohnmobile, Rennvelos und Hometrainer noch irgendwo herumstehen. Würde man alle verschrotten, wäre das Raumplanungsproblem schon fast gelöst.

Leider gibt es aber auch nochProbleme, die sich so nicht lösen lassen. Zum Beispiel, wenn ein Schwerhöriger sich über das Krähen des Hahns seines Nachbarn nervt. Aber auch dagegen schafft der Kreuzlinger Gemeinderat sicher noch ein Gesetz.

David Angst

david.angst

@thurgauerzeitung.ch