Chemiekeule beunruhigt Kanton

FRAUENFELD. Der Buchsbaumzünsler frisst sich durch den Thurgau. Erstmals gibt das kantonale Amt für Umwelt Empfehlungen ab, wie der Schädling richtig zu bekämpfen ist.

Christof Widmer
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Der Schrecken der Buchsbaumbesitzer: Eine Zünsler-Raupe. (Bild: Mario Testa)

Der Schrecken der Buchsbaumbesitzer: Eine Zünsler-Raupe. (Bild: Mario Testa)

Bisher fühlte sich keine Stelle richtig zuständig für den Buchsbaumzünsler. Die Raupe frisst mittlerweile fast im ganzen Kanton Buchsbäume kahl (unsere Zeitung berichtete). Da es sich beim Buchs um keine Nutzpflanze handelt, ist der Zünsler aber kein Fall für den kantonalen Pflanzenschutzdienst. «Der Buchsbaumzünsler schädigt Gartenpflanzen, das wäre eigentlich Privatsache», sagt Beat Baumgartner, der stellvertretende Chef des Thurgauer Amtes für Umwelt.

Gartenbesitzer kaufen Gift

Die gefrässige Raupe hat das Amt trotzdem auf den Plan gerufen. Grund: Es ist zuständig für fremde Arten, die in den Thurgau einwandern. Vor allem aber hat das Amt Hinweise erhalten, dass Gartenbesitzer massenhaft Insektizide kaufen, um dem Zünsler den Garaus zu machen. Diese Spritzmittel seien aber nicht nur für den Buchsbaumzünsler giftig, warnt Baumgartner. Das Amt für Umwelt hat darum Empfehlungen ausgearbeitet, wie die Raupe bekämpft werden soll:

• Bei schwachem Befall und bei kleineren Pflanzen können Eigelege und Raupen von Hand aufgesammelt werden. Der Raupenfrass beginnt im Innern der Pflanze. Deshalb soll vor allem dort wöchentlich kontrolliert werden.

• Grössere Buchsbäume können mit dem Hochdruckreiniger abgespritzt werden. Danach müssen die auf dem Boden liegenden Raupen aufgesammelt werden.

• Die Raupen müssen im verschlossenen Kehrichtsack mit der Kehrichtabfuhr entsorgt werden. Das gleiche gilt für befallene Buchsbäume, die Gartenbesitzer ausgerissen haben. Im Grüngut entsorgt werden darf laut Amt für Umwelt nur kleingehäckseltes Material.

• Bei starkem Befall an grossen Buchsbäumen oder in Buchsbaumanlagen ist der Einsatz von Pflanzenschutzmittel meist unvermeidbar. Das Amt für Umwelt empfiehlt aber, hierfür einen Fachmann beizuziehen.

• Gartenbesitzer, die trotzdem selber spritzen, erinnert das Amt für Umwelt daran, dass sie Spritzmittelreste nicht über die Kanalisation entsorgen dürfen.

Es gibt auch resistentere Sorten

Ausserdem weist das Amt für Umwelt darauf hin, dass es anfälligere und resistentere Sorten von Buchsbäumen gibt. Die grossblättrigen Sorten («rotundifolia») sind demnach am wenigsten anfällig auf den Buchsbaumzünsler. Zu den anfälligsten Sorten gehört ausgerechnet die häufigste Sorte «sempervirens».