Chef, Patron und guter Hirte

ROGGWIL. Der Thurgauer Karl Müller hat mit Franz With die Josua-Stiftung gegründet. Sie wollen Firmen fördern, die nach biblischen Prinzipien geführt sind. Die Stiftungsräte leben das Wort Gottes.

Nina Ladina Kurz
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Sie folgen dem Herrn: Karl Müller und Franz With auf dem Tower der Kybun AG in Roggwil. (Bild: Reto Martin)

Sie folgen dem Herrn: Karl Müller und Franz With auf dem Tower der Kybun AG in Roggwil. (Bild: Reto Martin)

«Wir sind erstaunt, dass unsere Stiftung überhaupt das Interesse der Medien geweckt hat», sagt Karl Müller zu Beginn des Gespräches. Die Josua-Stiftung wurde Anfang Jahr gegründet. Die eingetragenen Personen sind der Kybun-Gründer Karl Müller, sein Sohn Mathias Müller sowie Freund Franz With. Der Stiftungszweck lautet gemäss Handelsregister: «Die Stiftung bezweckt, die Kybun AG und deren Schwestergesellschaften dauernd zu erhalten, indem sie die Aktionärsrechte derart ausübt, dass eine konsequent nach biblischen Prinzipien ausgerichtete Unternehmensführung gewährleistet wird.»

Die Stiftung hält die Aktien der Kybun AG – eine Firma, die sich auf Schuhe und ein «ganzheitliches Bewegungskonzept» spezialisiert hat. Mit deren erwirtschaftetem Gewinn kann die Stiftung unter anderem Firmen und Personen mit biblischen Prinzipien unterstützen und Menschen, die in Bedürftigkeit, Krankheit, Unfall oder andere Notlagen geraten sind, helfen.

Als Nachfolger Jesu

Die Stiftungsräte arbeiten ehrenamtlich. «Wir glauben an den Gott der Bibel und sehen unsere Berufung darin, unser Leben und unsere Arbeit ganz nach dem Willen Gottes auszurichten und als Nachfolger seines Sohnes Jesus unterwegs zu sein», sagt Karl Müller.

Georg Schmid, er ist Religionsexperte bei der Infostelle relinfo.ch ordnet die Josua-Stiftung ein: «Sie gehört meiner Meinung nach ins freikirchliche Umfeld. Manche Unternehmer trennen strikt zwischen ihrer privaten Rolle als evangelikale Christen und ihrer beruflichen als Chef einer Firma, und andere eben nicht.»

Dienen vor verdienen

Doch was bedeutet es, ein Nachfolger Jesus Christus zu sein, für die Führung einer Unternehmung? «Wir leben nach biblischen Prinzipien und unser Motto lautet: <Dienen vor verdienen>», sagt Karl Müller.

Zurzeit arbeiten rund 90 Personen für die Kybun AG. Das Wohl des Menschen stehe immer im Vordergrund und nicht in erster Linie eine Gewinnmaximierung. Franz With gibt ein konkretes Beispiel: «Wir achten sehr auf das Zwischenmenschliche in unserer Belegschaft. Der soziale Umgang steht im Fokus und nicht der Businessplan. Andere Firmen oder Berater würden zugunsten der Gewinnmaximierung Stellen streichen. Wir setzen aber auf die positive Eigendynamik, die entsteht, wenn Mitarbeiter zufrieden sind.»

Unstimmigkeiten werden angesprochen und gelöst. «Das kostet uns natürlich einiges: Energie, Ressourcen und ab und zu auch Nerven», sagt Karl Müller: «Das nehmen wir in Kauf.» Und beruft sich auf ein biblischen Prinzip: «Wenn wir nicht primär leistungsorientiert denken, sondern wertschätzend sind, wird Gott für uns sorgen», sagt Karl Müller. Diese Regeln würden für Mitarbeiter sowie Kunden der Kybun AG gleichermassen gelten.

Eine Mitarbeiterin vor Ort bestätigt dies: «Hier wird sehr auf die Arbeitsatmosphäre geachtet. Das macht das Arbeiten natürlich äusserst angenehm.»

Karl Müllers Art und Weise eine Firma zu führen, war in seinem Fall mehrmals von Erfolg gekrönt. Im Jahr 1997 entwickelte er mit dem MBT-Schuh den weltweit ersten sogenannten Funktionsschuh. Im Jahr 2006 trennte er sich von MTB und gründete die Kybun AG.

Christliche Erfolgsgeschichte

In der christlichen Presse ist Müller einer von ein paar Dutzend bibelgläubigen Unternehmern, die regelmässig als Vorbilder präsentiert werden. Die Freunde Karl Müller und Franz With verneinen jedoch, dass alle Angestellten im Sinne der Bibel gläubig sein müssen. «Die biblischen Grundsätze gelten nur für die Leitung der Firmen und der Stiftung», sagt Karl Müller.

Die Kybun AG sei weltweit aktiv und die Partner und Kunden kämen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen. «Da haben wir keine Berührungsängste. Es ist unsere persönliche Entscheidung: Wir wollen und versuchen mit diesen Prinzipien durchs Leben gehen», sagt Franz With. Bewerber müssten allerdings diese Haltung akzeptieren und respektieren.

Glaube für die Stelle notwendig

Religionsexperte Schmid empfiehlt deshalb die Unterzeichnung eines Arbeitsvertrags von Firmen, die sich explizit auf das Christentum berufen, nur den Personen, die einem evangelikalen Glauben mindestens nahestehen.

«Wenn die Schlüsselpositionen bewusst an evangelikale Menschen vergeben werden, könne dies wegen der relativen weltanschaulichen Einheitlichkeit des Evangelikalismus einen Korpsgeist ergeben, in welchen nichtevangelikale Angestellte schlecht hineinpassen», sagt Schmid. In seiner Beratungsarbeit sei er immer wieder mit Menschen konfrontiert, die ihre Stelle bei einem evangelikal geprägten Betrieb früher oder später wieder aufgeben, weil sie sich an den Rand gedrückt oder unter Druck genommen fühlen.

Schmid sagt aber auch: «Dieser Druck muss von niemandem bewusst hervorgerufen sein. Er ergibt sich durch die weltanschauliche Einheitlichkeit der Belegschaft von selbst.»

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