Chef der Unglücksfirma: «Der Schrecken war gross»

WÄNGI. Hunderte Liter ausgelaufener Salpetersäure, Giftalarm: Die Metallveredelungs-Firma De Martin hat am Montag bewegte Stunden erlebt. CEO Thomas De Martin über den verletzten Mitarbeiter, die Unglücksursache und den entstandenen Schaden.

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Thomas De Martin, CEO der Firma De Martin. (Bild: pd)

Thomas De Martin, CEO der Firma De Martin. (Bild: pd)

Herr De Martin, wie geht es dem Mann, der nach dem Auslaufen der Säure ins Spital gebracht werden musste?
Thomas De Martin: Er konnte umgehend wieder nach Hause und ist wohlauf. Er hatte sich vorsorglich ins Spital begeben, weil er unter Atemnot litt. Für den Dienstag haben wir ihm nun frei gegeben – ab Mittwoch ist er wieder auf seinem Posten.

Thomas De Martin, CEO der Firma De Martin. (Bild: pd)

Thomas De Martin, CEO der Firma De Martin. (Bild: pd)


Waren Sie vor Ort, als der Unfall in Ihrem Unternehmen passiert ist?
De Martin: Nein. Ich war auf dem Weg zum Mittagessen, als ich per Telefon über den Vorfall informiert wurde. Ich kehrte dann sofort in die Firma zurück. Mein Schrecken war gross, obwohl wir uns der Gefahren durchaus bewusst sind, die es in unserem Arbeitsumfeld mit den zahlreichen Chemikalien gibt.

Wissen Sie mittlerweile schon, weshalb es zum Unglück kam?
De Martin: Es hatte einen Pumpendefekt an einem Säuretank gegeben. Zwei Mitarbeiter wechselten die Pumpe aus, danach kam es zum Auslaufen der Säure. Weshalb das genau passiert ist, wird jetzt von der Staatsanwaltschaft ermittelt.

Wofür braucht Ihre Firma Salpetersäure?
De Martin:Zur Reinigung unserer Prozesstanks sowie zur Behandlung von medizinischen Implantaten.

Wie viel davon haben Sie gelagert?
De Martin: Zwischen 5000 und 10'000 Liter, verteilt auf mehrere Behälter.

Der Gang zum Einsatz. (Bild: Mario Testa)
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Der Chemieunfall hielt die Feuerwehr-Angehörigen auf Trab. (Bild: Mario Testa)
Mit Wasservorhängen kämpfte die Feuerwehr gegen die giftigen Dämpfe, die aus dem Betrieb ins Freie gelangten. (Bild: Mario Testa)
Auch ein Dekontaminationszelt wurde aufgebaut. (Bild: Mario Testa)
Gespenstische Szenen spielten sich beim Unternehmen ab, wo das Unglück passiert war. (Bild: Mario Testa)
Rund 100 Einsatzkräfte verschiedener Feuerwehren waren vor Ort. (Bild: Mario Testa)
Der Unfall im Betrieb ereignete sich um die Mittagszeit. (Bild: Mario Testa)
Emsiges Treiben vor Ort. (Bild: Mario Testa)
Lagebesprechung. (Bild: Mario Testa)
Zum Einsatz kamen die Feuerwehr Wängi, die Stützpunktfeuerwehr Münchwilen sowie die Chemiewehr Weinfelden. (Bild: Mario Testa)
Von den Medien bestürmt: Ernst Vogelsanger, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. (Bild: Mario Testa)
Auch die Chemiewehr Thurgau kam zum Einsatz. (Bild: Mario Testa)
Bereit zum Kampf gegen die ätzenden Dämpfe. (Bild: Mario Testa)
Feuerwehrler beim Dekontaminationszelt. (Bild: Mario Testa)
Beim Unfall gelangten Säuredämpfe ins Freie. (Bild: Mario Testa)
Der Alarm wurde um die Mittagszeit ausgelöst. (Bild: Mario Testa)

Der Gang zum Einsatz. (Bild: Mario Testa)


Können Sie den Schaden beziffern, der Ihrem Unternehmen aus dem Unfall erwachsen ist?
De Martin: Der Schaden an den Anlagen und Gebäuden ist gering – alles ist darauf angelegt, dass auch einmal etwas leckschlagen könnte. Was die Kosten für den Einsatz von Feuerwehr und Polizei anbelangt, gehe ich davon aus, dass hier das Verursacherprinzip zur Anwendung kommt. Wir klären derzeit ab, inwieweit unsere Versicherung dafür aufkommt.

Und was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an den ausgerufenen Giftalarm denken, der die Menschen dazu zwang, in den Häusern zu bleiben?
De Martin: Aus unserer Sicht bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Öffentlichkeit. Der Einsatz von Polizei und Feuerwehr verlief reibungslos, und unsere gute Infrastruktur hat ebenfalls dazu beigetragen, dass Schlimmeres verhütet werden konnte. Trotzdem war es richtig, dass der Giftalarm vorsorglich ausgelöst wurde.

Interview: Daniel Walt

Auslöser: gebrochene Leitung

Wie die Kantonspolizei Thurgau mitteilt, ist das Auslaufen der Salpetersäure auf eine gebrochene Leitung zurückzuführen. Weshalb die Leitung brach, ist derzeit Gegenstand weiterer Abklärungen. Gemäss den bisherigen Erkenntnissen liefen durch die defekte Kunststoffleitung mehrere 100 Liter Salpetersäure aus und verteilten sich im Kellergeschoss. Die ätzenden Dämpfe gelangten über Fenster und Schächte ins Freie. Die Dämpfe wurden durch die Feuerwehren mit einem Hydroschild (Wasserwand) niedergeschlagen. Die Säure im Keller musste durch eine Spezialfirma abgepumpt und fachgerecht entsorgt werden. Die Produktion im Betrieb wurde am Dienstagmorgen wieder aufgenommen. (kapo/dwa)


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