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CHAPEAU: Vom Buhmann zum Schatz der Nation

Nach dem Bekenntnis des Thurgaus zum Frühfranzösisch applaudiert die übrige Schweiz. Aus dem Departement von Bundesrat Alain Berset, der im Falle einer Abschaffung mit Intervention drohte, sind aber nur sachliche Töne zu vernehmen.
Sebastian Keller

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

Von einem «Coup de théâtre en Thurgovie» berichtet «Le Journal du Jura». Und wahrlich war Unvorhergesehenes geschehen im Rathaus Frauenfeld. Die grossen Kameras der Nation – vor allem jene der Romandie – waren am Mittwoch auf den Grossen Rat gerichtet, bis am Abend der welsche Bundesrat Didier Burkhalter seinen Rücktritt ankündigte. Und doch: Dass der Thurgauer am Frühfranzösisch festhält, findet in der Presse positiven Widerhall. Und das, obwohl das Resultat nicht knapper hätte sein können: So waren es 62 Kantonsräte, die für die Beibehaltung votierten, 60 dagegen. In der ersten Lesung waren die Abschaffungsbefürworter mit 64 zu 53 noch in der Mehrheit. Wie das Resultat kehrte auch die mediale Beliebtheit des Thurgaus im Land. Statt des Totengräbers des nationalen Zusammenhalts ist er nun dessen Retter. «Die Abstimmung schliesst das Thurgauer Kapitel über den Sprachenstreit», notiert der Korrespondent der «Tribune de Genève». Im selben Artikel freut sich SP-Nationalrat Mathias Reynard aus dem Wallis: «Das ist Balsam für mein Herz, dass dem Französischunterricht eine solche Wichtigkeit beigemessen wird. Im «Tages-Anzeiger» zieht sein Parteikollege Roger Nordmann aus der Waadt gar den Hut: «Chapeau, Thurgau!» Es sei ein grosser Tag für die nationale Solidarität. «Sensationell», frohlockt der Berner SP-Nationalrat Matthias Aebischer im gleichen Blatt, «wenn sich ein Kanton so weit von der Sprachgrenze solidarisch mit der Westschweiz erklärt». Der Kommentator der NZZ will den Entscheid nicht überbewerten. «Der Thurgauer Entscheid ist nicht als Ja oder Nein zum nationalen Zusammenhalt zu verstehen», schreibt er. Das Forum Helveticum, das sich für die Landessprachen einsetzt, freut sich über den Thurgauer Entscheid. Gemäss Mitteilung sieht die Organisation darin die «positive Entwicklung der letzten Wochen zum Thema Landessprachenunterricht». Das Forum verweist auf den Kanton Zürich: Im Mai sprach sich das Volk an der Urne für die Beibehaltung zweier Frühfremdsprachen aus.

Aus dem Departement von Bundesrat Alain Berset, der mit einer Intervention drohte, sind nur nüchterne Töne zu vernehmen. Daniel Menna, Sprecher des Bundesamtes für Kultur, sagt auf Anfrage: «Mit dem Entscheid des Grossen Rates in zweiter Lesung bleibt der Thurgau bei der Sprachenstrategie der Kantone und somit bei der Harmonisierung des Sprachenunterrichts in der Schweiz.»

Die nächste Bewährungsprobe für das Frühfranzösisch steht bevor

Die nächste Bewährungsprobe steht dem Frühfranzösisch bereits im September bevor. Schauplatz ist dann die Zentralschweiz: Die Luzerner entscheiden über die Volksinitiative «Eine Fremdsprache auf der Primarstufe». Von einer Signalwirkung des Thurgauer Entscheides wollen die dortigen Initianten laut dem «Tages-Anzeiger» aber nichts wissen.

Im Thurgau ist ein Urnengang vom Tisch. Das bestätigt Grossratspräsidentin Heidi Grau-Lanz (FDP, Zihlschlacht). Wäre der Rat auf der Abschaffung verharrt, hätten 30 Kantonsräte mittels Behördenreferendum eine Volksabstimmung erwirken können. Mit der Streichung des Satzes «Französisch wird als zweite Fremdsprache erst auf der Sekundarstufe I unterrichtet» wurde das Volksschulgesetz nicht geändert – und nur über eine Änderung hätte abgestimmt werden können. Deshalb ist auch eine Schlussabstimmung im Grossen Rat hinfällig. «Wir müssen das Geschäft nur noch sauber abschliessen», sagt Grau-Lanz. Dies geschehe wohl mit «Abschreibung am Protokoll» an der Sitzung vom 28. Juni. Das genaue Vorgehen werde derzeit abgeklärt. Zu einem zweiten «Coup de théâtre en Thurgovie» wird es aber nicht kommen.

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