«Casaco de trabalho» ist eine Arbeitsjacke

Mit Deutschkursen für ausländische Mitarbeiter möchte der Thurgauische Baumeister-Verband dem drohenden Fachleutemangel entgegenwirken. Mangelhafte Sprachkenntnisse halten viele Mitarbeiter von einer Weiterbildung ab.

Werner Lenzin
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Sonja Schiess unterstützt die Kursteilnehmer. (Bild: Werner Lenzin)

Sonja Schiess unterstützt die Kursteilnehmer. (Bild: Werner Lenzin)

FRAUENFELD. Gespannt und voller Erwartungen sitzen neun portugiesische und ein italienischer Bauarbeiter an einem Samstagmorgen an den Tischen bei der Firma F. Trachsel AG, Strassen- und Tiefbau. Sie gehören zu den über 50 Prozent Arbeitnehmern im Bauhauptgewerbe, die mit nur minimalen Sprachkenntnissen und ohne Berufsabschluss auf Thurgauer Baustellen arbeiten. «Das Ziel dieses vom Thurgauischen Baumeister-Verband angebotenen Deutschkurses ist es, dass die Teilnehmer lernen, sich in baustellenspezifischen und alltäglichen Situationen in deutscher Sprache behaupten zu können», betont Doris Fernandez von der Geschäftsstelle. Die Förderung der Integration von Migrantinnen und Migranten bezeichnet sie als wichtiges politisches und gesellschaftliches Ziel. Dabei nimmt die Verständigung in einer Landessprache eine zentrale Funktion ein.

«Ich komme aus Vila Real, einer Stadt im Norden von Portugal, und heisse Marco. Ich arbeite als Kranführer bei der Ernst Herzog AG in Frauenfeld.» In erstaunlich gutem Deutsch stellt sich der Teilnehmer des Deutschkurses an diesem Morgen dem Medienvertreter und seinen Kollegen vor. Der jüngste von ihnen ist 24jährig, der älteste, João Rice, 58 Jahre alt. «Nach der Vorstellungsrunde wollen wir heute lernen, wie man ein Arbeitsproblem meldet und wie der Dialog mit einem Kollegen in der deutschen Sprache abläuft», gibt die Lehrende Sonja Schiess das Programm dieses Samstagmorgens bekannt.

Auf Hochdeutsch vortragen

Nach zehn Minuten tragen die Bauarbeiter ihre Probleme auf Deutsch vor: «Ich habe zu viele Rohre und rufe einen Mitarbeiter, damit er mir hilft», teilt Luis mit. Giuseppe möchte dem Bauführer melden, dass die Vibroplatte zum Schutz des Lasergerätes weggestellt werden muss. Ein anderer Kursteilnehmer teilt dem Polier mit, dass die Masse nicht stimmen. João erklärt, weshalb eine Schlauchrolle mit gefrorenem Wasser an die Wärme gestellt werden muss. Für Ronaldo ist die Wand zu hoch und das Material zu schwer und der Einsatz eines Staplers unerlässlich.

Als weiteren Auftrag ordnen die Kursteilnehmer einen Telefondialog und tragen ihn anschliessend auf Hochdeutsch vor. Immer wieder muss die Unterrichtende ermahnen: «Bitte auf Hochdeutsch und nicht in der Muttersprache.»

Lohn für 90 Prozent Präsenz

Laut Sonja Schiess konzentriert sich ihr Unterricht hauptsächlich auf alltägliche Themenbereiche. «Die Teilnehmer wählen ihre Handlungsfelder aus den elf Themenfeldern und haben sich für das Thema Arbeit entschieden», erklärt sie. Für sie stellt sich die zusätzliche Herausforderung durch das Erstellen und Ergänzen von Unterrichtsmaterial in Form von Arbeitsblättern. An den 17 Samstagmorgen behandelt Sonja Schiess zudem die Bereiche Behörde, Post, Banken und Versicherungen. Wer am Schluss eine Präsenz von 90 Prozent vorweisen kann, hat Anspruch auf einen Lohn. «Die Bauarbeiter sind sehr offen, motiviert und willig und haben klare Vorstellungen über das, was sie wollen», sagt Schiess.

Lernen für bessere Integration

Und was meinen die neun Kursteilnehmer zum Deutschkurs? «Ich habe meinem Chef mitgeteilt, dass ich diesen Kurs besuchen möchte, damit ich mich mit meinen Kollegen unterhalten kann», erklärt der 26jährige Raphael Ribeiro São Paulo, der seit vier Jahren in der Schweiz lebt. Sein 41jähriger Kollege Luis Vieira ist täglich als Chauffeur einer Baufirma unterwegs und möchte für seine Arbeit und für den Austausch mit den Kollegen schreiben und sprechen können.

Der 30jährige Marco Alves ist ebenfalls erst seit vier Jahren in der Schweiz und hat schon mehrere Deutschkurse besucht: «Das Problem ist für mich der Dialekt, und ich will die Sprache lernen, um mich noch besser zu integrieren.»