Camper trotzen dem Regenwetter

EGNACH. Der Thurgau kam bei den Unwettern der letzten Tage glimpflich davon. Einigen Campern waren die Wetterkapriolen dann doch zu viel: Die meisten Campingplätze am Bodensee müssen vorzeitige Abreisen verbuchen. Doch viele Besucher trotzen dem Wetter.

Christoph Fust
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Die Camping-Familie Widmer aus Ganterschwil ist auch bei regnerischem Wetter zu Spässen aufgelegt. (Bilder: Christoph Fust)

Die Camping-Familie Widmer aus Ganterschwil ist auch bei regnerischem Wetter zu Spässen aufgelegt. (Bilder: Christoph Fust)

Die Kleider in Plastik-kisten verstaut, das Zelt auf einem Holzrost aufgebaut und eine Wärmelampe gegen die Kälte aufgehängt. Wenn Familie Widmer aus dem toggenburgischen Ganterschwil auf dem Campingplatz Seehorn in Egnach ihr Zelt aufschlägt, dann rüstet sie sich für alle Eventualitäten. «Wir kommen seit 19 Jahren hierher und wissen, wie wir uns trocken und warm halten», sagt Vater Bernhard Widmer.

Nach all diesen Jahren verbringt die Familie ihre dreiwöchigen Campingferien immer noch in einem Zelt. Mit Küche, Elektrizität und fliessend Wasser seien sie hier fast genauso gut eingerichtet wie in einem fest installierten Wohnwagen. «Wir haben hier alles, was wir für drei Wochen brauchen. Beim Zelten muss man halt ein bisschen unkompliziert sein», sagt Anny Widmer.

Bodenseepegel ungefährlich

Das Gelände, auf dem Familie Widmer zeltet, ist vor vier Jahren komplett erneuert worden. Dank dem leichten Gefälle und Drainagen fliesse das Wasser problemlos ab, so Platzwart Urs Zellweger. Und der nahe Bodensee sei ebenfalls kein Problem: «Wir sind weit genug vom Ufer entfernt. Da stehen vorher Romanshorn und Rorschach unter Wasser.»

Weniger Camper

Wegen des allgemein schlechten Wetters der letzten Tage und Wochen seien einige Camper früher als geplant abgereist oder erst gar nicht gekommen, so Zellweger: «Zur gleichen Zeit im Vorjahr hatten wir 270 Besucher, jetzt sind es knapp 150. Ausserdem ist der Zeltplatz fast leer.» Er möchte die Situation nicht schwarzmalen, denn der Juni sei sensationell gewesen und auch über den 1. August müsse er den Leuten teilweise absagen. Die Zahlen pendelten sich über die ganze Saison gesehen wieder ein, ist Zellweger überzeugt.

Ganz anders sieht das Markus Möckli, Platzwart des zwei Kilometer entfernten Campingplatzes Buchhorn in der Gemeinde Arbon: «Das Loch, das uns das Wetter in der Schulferienzeit in die Kasse gerissen hat, kann ich nicht mehr aufholen. Mir fehlen 4000 Übernachtungen, verglichen mit einem guten Jahr.» Trotz Sickerleitungen und relativ trockenen Böden seien nur 40 der 100 Wohnwagenplätze belegt. Bei den Zelten sehe es noch schlimmer aus: Nur 20 von etwa 150 Zeltplätzen sind belegt.

Markus Möckli tröstet sich damit, dass man bis jetzt noch keine Schäden wegen Unwetter hatte. Der Campingplatz liegt direkt am Bodenseeufer. Der steigende Pegel der letzten Woche sei nicht beunruhigend, auch wenn die Wetteraussichten trüb bleiben: «Da fehlt bestimmt noch ein halber Meter, bis es kritisch wird.»

Trügerischer Wetterbericht

Christina Lerch, Platzwartin des Campingplatzes in Kreuzlingen, vertraut den Wetterprognosen ohnehin nicht mehr: «In letzter Zeit haben die Meteorologen oft falsch gelegen. In Wirklichkeit ist es in dieser Region nie so schlimm gekommen, wie angenommen.» Sie hätten Glück, denn momentan liege die Auslastung vom Camping Fischerhaus bei etwa 85 Prozent. Es gebe halt auch trotz des Regens viel zu tun: «Die Besucher können ins Museum, in die Therme Konstanz oder sie gehen einkaufen.»

Schlechtwetterprogramm

Dass es sich aber auch bei Regenwetter draussen aushalten lässt, beweist Bernhard Widmer aus Ganterschwil: «Ich steige jeden Tag aufs Velo, es gibt ja schliesslich entsprechende Kleidung.» So sieht es auch die Familie Thoma aus Herisau. Sie ist seit 2006 mit einem fest installierten Wohnwagen auf dem Campingplatz in Egnach und ihr ist das Wetter ziemlich egal: «Wir gehen laufen, wir jassen, wir machen Gesellschaftsspiele. Das ist für uns pure Erholung, und sollte es wirklich mal schlimm werden, wären wir ja schnell wieder zu Hause.»

Marc, Ruth und Beat Thoma aus Herisau haben ihren Wohnwagen seit 2006 auf dem Campingplatz Seehorn.

Marc, Ruth und Beat Thoma aus Herisau haben ihren Wohnwagen seit 2006 auf dem Campingplatz Seehorn.

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