BUSSWIL: «Ich müsste längst tot sein»

Hanspeter Greb präpariert seit über 50 Jahren Tiere. Die aufgeflammte Diskussion, die ausgestopften Tiere seien mit Arsen belastet und deshalb gesundheitsschädigend, hält er für unsachlich.

Daniel Wallimann
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Obwohl sie keinen Laut mehr von sich geben, sorgen die ausgestopften Tiere in der Schule für Diskussionen. (Bild: Christian Beutler/Key)

Obwohl sie keinen Laut mehr von sich geben, sorgen die ausgestopften Tiere in der Schule für Diskussionen. (Bild: Christian Beutler/Key)

Sein Telefon klingle mittlerweile ununterbrochen. «Verschreckte Lehrerinnen und Lehrer fragen, wie gefährlich die ausgestopften Krähen, Hasen und Füchsen im Schulzimmer tatsächlich sind», sagt Hanspeter Greb. Und ob sie sie nun wegsperren oder entsorgen müssten, um die Mädchen und Buben zu schützen.

Politiker und Schulleiter aufgeschreckt

Der erfahrene Busswiler Fachmann präpariert Tiere für die Film- und Werbeindustrie sowie verschiedene Museen und stellt für sie verschieden grosse Exponate her – seit über 50 Jahren. «Die Kinder sollen die Tiere begreifen.» Das ist sein Antrieb. Für den rüstigen 72-Jährigen ist die Diskussion über die mit Arsen behandelten Präparate, die derzeit geführt wird, aus dem Ruder gelaufen. Weil sie in den vergan­genen Tagen Politiker und Schulleiter aufscheuchte und dazu veranlasste, Präparate aus den Schulhausvitrinen zu verbannen.

Hält die Motten nicht fern

Der Mann ist in seinem Berufsstolz verletzt. «Als Kurzschluss» stuft er darum die Reaktion der Winterthurer Stadtregierung ein. Der grüne Stadtrat und Schulvorsteher Jürg Altwegg hat die Schulleiter in Winterthur Anfang Juli 2017 mit einem Informationsschreiben beauftragt, alle Tierpräparate aus den städtischen Schulhäusern zu entfernen. Dies, nachdem in verschiedenen Schul­häusern 95 ausgestopfte Tiere geprüft wurden. Und 88 Präparate davon einen Arsengehalt von mehr als 1000 Milligramm pro Kilogramm aufgewiesen haben. Das liegt zwar über dem Suva-Grenzwert. «Ich frage mich trotzdem, wie genau die Methode misst», sagt Greb. Die Tiere würden nämlich inwendig mit Arsen behandelt. Das heisst: Die Sub­stanz werde nicht auf die Federn oder das Fell geschmiert, wie zum Beispiel die Butter auf das Brot. Daher sei es schier unmöglich, dass die Substanz austrete. Gefährlich werde es, wenn Kinder die krebserregende Substanz berührten, den damit belasteten Stoff einatmeten. «Oder ein ausgestopftes Tier essen,» sagt Greb lakonisch. Das komme zum Glück aber nie vor.

Bitte nicht anfassen

Werden die Präparate nicht berührt, seien sie im Unterricht also völlig bedenkenlos. «Die Kinder müssen auch wieder das Beobachten lernen und nicht gleich alles anfassen.» Werden die toten Tiere nicht verwendet, empfehle er, sie hinter einer Glasscheibe wegzuschliessen. Dass ausgestopfte Tiere arsenbelastet sein können, ist seit langem bekannt. Ob sie tatsächlich gefährlich seien, könne er nicht mit Gewissheit­ ­sagen. «Wenn doch, müsste ich längst tot sein.» Denn seit dem 2. Weltkrieg würden keine Tiere mehr mit Arsen behandelt, weil es die Motten nicht abhalte. In seiner Karriere habe er schon viele Präparate von vor dieser Zeit verarbeitet.

Ganz dem Zufall überlässt er es dann doch nicht. Er lasse gerade sein Blut untersuchen. «Ausserdem arbeite ich mit Eulan U33, einem insektenvernichtenden Wirkstoff.» Der werde als Textil- und Teppichschutzmittel gegen Motten oder zur Tierpräparation verwendet. Es bestehe für Menschen keine Gefahr für die Gesundheit.