Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BUSSNANG: Künstliche Wildnis

Nahe beim Ganggelisteg liegt das einzige kommunale Waldschutzreservat des Kantons: der Rietgrabe. Das Gebiet wird mit Regenwasser geflutet und erhält so die natürliche Auenlandschaft, die dort einst existierte.
Sabrina Bächi
Gemeinderätin Beatrix Kesselring und Revierförster Roman Guntersweiler im Rietgrabe. (Bild: Reto Martin)

Gemeinderätin Beatrix Kesselring und Revierförster Roman Guntersweiler im Rietgrabe. (Bild: Reto Martin)

Sabrina Bächi

sabrina.baechi

@thurgauerzeitung.ch

Das Wasser ist türkisfarben, Baumstümpfe modern darin. In den Baumwipfeln pfeifen leise ein paar Vögel. Die Stimmung ist zauberhaft. Der Boden sumpfig. Am Boden liegen Äste, teilweise zu Haufen aufgeschichtet. Es herrscht Unordnung in diesem Wald – doch das ist gewollt. Nur noch ein kleiner Teil der gesamten Bodenfläche im Thurgau weist die auenartigen Merkmale auf, wie sie im Rietgrabe in Bussnang zu finden sind.

Es ist das einzige kommunale Waldschutzreservat im Kanton und weist eine weitere Besonderheit auf: Als Auengebiet wird es sporadisch überflutet. So zeigen sich die wieder hergestellten Altarme der Thur. Allerdings kommt das Wasser nicht etwa aus dem nahe gelegenen Fluss, sondern von der anderen Seite. «Regenwasser wird oberhalb des Reservats gesammelt und schliesslich in den Rietgrabe geleitet. Die Auen können so überflutet werden, was dem natürlichen Zustand entspricht», erklärt Revierförster Roman Guntersweiler die einzigartige Situation. Seit 2002 ist der Rietgrabe ein Waldschutzreservat. Im Bezirk Weinfelden ist es das einzige.

Viel Leben auf wenig Raum

Die drei Hektaren bieten auf kleinstem Raum eine grosse Vielfalt und Bäume oder Pflanzen, die sonst fast keinen Lebensraum mehr finden. Mitte der 90er-Jahre forsteten Bussnanger Schüler die ehemalige Deponie im Rietgrabe mit Schwarzerlen auf – ebenfalls ein selten gewordener, aber typischer Auenbewohner. Fichten sucht man jedoch vergebens. «Hier liegt eine am Boden», sagt Guntersweiler. Die Fichte ist auf feuchtem Boden gebietsfremd und geht ein. Ein natürlicher Prozess. Genau wie das viele Totholz, das bestückt mit Pilzen und Moos einfach verrotten darf und vielen kleinen Tieren ein Zuhause gewährt. Die Tümpel im Gebiet bieten Amphibien gute Laichplätze. Im Rietgrabe hat der Mensch die Natur zurückgebracht, die hier hingehört. «Anstatt das Regenwasser direkt in die Thur zu leiten, hat man sich entschieden, die Thur­auen aufzuwerten», sagt Guntersweiler. Für ihn eine gute Kombination zwischen Bewirtschaftung und Natur walten lassen. Grundeigentümerin des Waldreservats ist die Politische Gemeinde Bussnang. «Der Aufwand für den Unterhalt des Gebiets ist insofern gering, weil die Förderung der Biodiversität und nicht der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund steht», sagt Gemeinderätin Beatrix Kesselring. Einmal im Jahr treffen sich Förster und Gemeinde, um die anstehenden Pflegemassnahmen zu besprechen.

Die helfende Hand des Menschen

«Wir haben einen Plan mit verschiedenen Waldzieltypen. Entsprechend pflegen wir das Gebiet», sagt Guntersweiler. An vier Stellen etwa wird gemäht, damit der Wald offen bleibt. Ein grosser Teil ist unbewirtschaftet. Am Waldrand fördern die Förster die Stufigkeit und Artenvielfalt. Die Natur im Rietgrabe braucht trotz aller Wildnis die helfende Hand des Menschen, um sich die Natürlichkeit erhalten zu können. Für Roman Guntersweiler ist das kein Widerspruch. «Wenn wir eine Vielfalt wollen, dann müssen wir sie künstlich herstellen und erhalten.»

Ein weiterer Ausbau des Reservats ist nicht geplant. Auch wenn nur wenige Meter flussaufwärts bald mit der Thur-Renaturierung begonnen werden soll und der Auenwald nahe am Fluss liegt. «Das Wiesland zwischen Thur und Rietgrabe gehört auch der Gemeinde und ist verpachtet. Wegen seiner schattigen Lage und des feuchten Bodens kann es jedoch nicht für den Ackerbau genutzt werden», sagt Beatrix Kesslering. Dass der Rietgrabe besteht – wenn auch nur auf drei Hektaren –, ist über alles gesehen ein kleiner Glücksfall. Anstatt den schnellsten Weg zur Thur fliesst das Regenwasser durch den Wald und bringt so künstlich zustande, was vor vielen Jahren einst natürlich war.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.