Busse und Geldstrafe für den Maulwurf

Ein St. Galler Kantonspolizist, der über einen Privatdetektiv den «Blick» mit vertraulichen Informationen versorgt hatte, ist von der Staatsanwaltschaft zu einer Busse von 600 Franken verurteilt worden. Der Polizist hat dagegen Rekurs eingelegt.

Umberto W. Ferrari
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«In einer als geheim eingestuften Aktion sollten am 8. März dieses Jahres vier Jugendliche des Jugendheims Platanenhof in Oberuzwil von der Kantonspolizei festgenommen werden.» Dies erzählte der dortige Heimleiter Hans-Peter Amann im Sommer dieses Jahres unserer Zeitung. Die Aktion war alles andere als geheim. Bereits eine halbe Stunde vor dem Eintreffen der Polizei wartete ein Fotograf vor dem Platanenhof. Bilder von den abgeführten Jugendlichen erschienen am nächsten Tag im «Blick».

Jetzt ist amtlich, woher der Fotograf und die «Blick»-Redaktion von der bevorstehenden Verhaftung der vier Jugendlichen gewusst hatten. Ein Privatdetektiv hatte die Informationen geliefert, wie die Staatsanwaltschaft in einem Strafbefehl festhält.

Polizist lieferte Informationen

Der Privatdetektiv hatte sich mindestens einen Teil der Informationen bei einem St. Galler Kantonspolizisten beschafft. Anscheinend kein besonderes Problem für den Privatdetektiv, war er doch bis vor wenigen Jahren selber Mitglied des Korps.

Zwar gab der Kantonspolizist bei einem ersten Anruf des Detektivs keine Informationen preis. Als aber der Detektiv nach der Verhaftung der Jugendlichen deren Namen nennen konnte, erkundigte sich der Polizist, zu welchem Zweck er Jahrgang und Nationalität der Verhafteten benötige. «Für die Presse», schrieb der Detektiv zurück, worauf ihm der Polizist die Daten von zwei der Verhafteten nannte. Die beiden anderen kannte er nicht.

Strafbefehl erlassen

Thomas Hansjakob, Erster Staatsanwalt des Kantons St. Gallen, erliess Haftbefehl gegen den Polizisten. Wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses wurde der Polizist nun zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 100 Franken verurteilt, bedingt erlassen auf eine Probezeit von zwei Jahren. Zudem muss er eine Busse von 600 Franken zahlen, ebenso Gebühren von 600 Franken und besondere Auslagen der Untersuchung in der Höhe von Fr. 2347.95, total Fr. 3547.95. Der Strafbefehl ist noch nicht rechtskräftig, weil der Verurteilte gegen den Strafbefehl Einspruch erhoben hat. Damit wird das Kreisgericht zu entscheiden haben.

Polizist bleibt suspendiert

Der Kantonspolizist bleibt bis zum Abschluss des Verfahrens von der Arbeit suspendiert, wie Hanspeter Krüsi, Informationschef der Kantonspolizei St. Gallen, auf Anfrage bestätigte. Es gelte für den Mitarbeiter bis zu einem gültigen Urteil nach wie vor die Unschuldsvermutung, sagte Krüsi. Parallel zum Strafverfahren läuft gegen den Polizisten ein Disziplinarverfahren.

Verfahren gegen Detektiv läuft

Laut Staatsanwaltschaft läuft auch ein Verfahren gegen den Privatdetektiv. Es ist allerdings noch nicht abgeschlossen. «Wir ermitteln gegen ihn wegen Anstiftung zur Amtsgeheimnisverletzung», sagte Hansjakob auf Anfrage.