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Bund soll Biber-Schäden bezahlen

Stürzt ein Weg wegen eines Bibers ein, soll der Bund den Schaden bezahlen. Das fordert eine Thurgauer Standesinitiative, die der Ständerat voraussichtlich heute diskutiert. Die Chancen, dass er sie annimmt, sind gering.
Michèle Vaterlaus
Der Biber sieht unschuldig aus – kann aber mit seinen Grab- und Nagarbeiten grosse Schäden verursachen. (Bild: Kathrin Fahrni)

Der Biber sieht unschuldig aus – kann aber mit seinen Grab- und Nagarbeiten grosse Schäden verursachen. (Bild: Kathrin Fahrni)

FRAUENFELD. Biber nagen, graben und bauen. Sie sind herzig mit ihren grossen Zähnen, dem dicken Fell und ihrem besonderen Schwanz. Doch nicht alle haben Freude an dem Nagetier. Denn mit seiner fleissigen Arbeit verursacht es Schäden. Nicht nur an Forst- und Landwirtschaft, sondern auch an Infrastrukturen wie Strassen, Wegen und Dämmen. Diese können einstürzen, wenn sie vom Biber unterhöhlt werden. Während Bund und Kanton für die Schäden an Kulturland aufkommen, sind Infrastrukturschäden Sache des Besitzers. Das will eine Standesinitiative des Kantons Thurgau ändern. Heute ist sie für die Sitzung des Ständerats traktandiert.

Der Biber ist geschützt

Die Standesinitiative gründet auf einer Motion von SVP-Kantonsrat Paul Koch (Oberneunforn) und ist gegen den Willen des Regierungsrates zustande gekommen. Bisher ist es so, dass der Eigentümer – neben Privaten oft auch Gemeinden – die Kosten für den Biber-Schaden an Infrastrukturen selber tragen muss. Dafür hat Koch kein Verständnis: «Es kann nicht sein, dass der Bund den Biber unter Schutz stellt und Private zusehen müssen, wie er ihr Eigentum kaputt macht, ohne dass sie etwas dagegen tun können.» Der Biber darf nämlich weder erschossen, noch umgesiedelt werden. Es ist auch verboten, die Bauten der Tiere zu zerstören, um sie zu vergrämen. «Erst dürfen sich Eigentümer nicht wehren und dann müssen sie die Kosten noch selber tragen.»

Die Chancen sind gering

Die Chancen, dass die Standesinitiative vom Ständerat gutgeheissen wird, sind gering. Die ständerätliche Umweltkommission empfiehlt, die Forderung abzulehnen. Der Thurgauer SVP-Ständerat Roland Eberle hat sich dafür eingesetzt, dass die Standesinitiative immerhin traktandiert wird. Normalerweise seien solche nicht gern gesehen in Bern, sagt er. Doch nicht nur darum seien die Chancen gering, dass die Abstimmung zugunsten der Initiative ausfalle. «Zwar haben alle Verständnis für die Probleme, die der Biber verursacht, aber niemand will die Kosten tragen. Eigentlich ist es eine finanzpolitische Frage.»

Koch schätzt, dass sich die durch Biber verursachten Schäden an Dämmen und Strassen im Thurgau auf 150 000 bis 200 000 Franken belaufen. «Es ist eine schwierige Schätzung. Viele melden die Schäden nicht, weil sie sowieso selber dafür aufkommen müssen.» Die Kosten sind aber auch nur eine Seite der Medaille. «Irgendwann kommt eine Haftungsfrage», sagt Eberle. Bisher sei zwar noch kein Mensch zu Schaden gekommen. Doch Biber untergraben Wege und Strassen, diese stürzen ein und ein Mensch kann sich deswegen ernsthaft verletzen.

Ein Viertel lebt im Thurgau

In der Schweiz gibt es rund 2000 Biber, ein Viertel davon lebt im Thurgau. Und es werden immer mehr, die idealen Lebensräume hingegen werden rar. Die Tiere siedeln sich darum vermehrt auch neben Strassen an. «So werden die Schäden an Infrastrukturen jedes Jahr mehr», sagt Koch. In der Gesellschaft geniesst das Tier eine hohe Akzeptanz. «Wir wollen diese Akzeptanz erhalten. Doch durch die Schäden und die hohen Kosten hört man immer mehr Stimmen laut werden, die sagen: Der Biber muss weg.»

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