Buhwiler Mord bleibt ungeklärt: Freispruch für Angeklagten

Der Mord an einem 27jährigen Herisauer im thurgauischen Buhwil bleibt ungeklärt. Sicher ist laut Thurgauer Obergericht nur, dass zwei Männer zur Tatzeit am Tatort waren und einer von beiden geschossen hat.

Umberto W. Ferrari
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FRAUENFELD. Am 9. Februar 1997 wird der 27jährige Mann aus Herisau beim Armbrustschützenhaus in Buhwil tot aufgefunden. Er war mit drei Schüssen in den Kopf regelrecht hingerichtet worden.

Beweis nach sechs Jahren

Erst sechs Jahre später – im Jahre 2003 – kann dank neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse mit einer DNA-Analyse bewiesen werden, dass C.* am Tatort war. Längere Zeit später wird nachgewiesen, dass auch H.* am Tatort gewesen war. Vor Bezirksgericht Bischofszell kommt es zur Verhandlung gegen die beiden mutmasslichen Täter. Die Staatsanwaltschaft fordert für beide Männer eine Verurteilung wegen Mordes. Sie sollen mit 19 bis 20 Jahren Freiheitsentzug bestraft werden.

Freispruch in erster Instanz

Bereits das Bezirksgericht Bischofszell kam im Februar dieses Jahres zum Schluss: Beide Angeklagten waren zur Tatzeit am Tatort. Aber: nach menschlichem Ermessen kann die Tat keinem der beiden Angeklagten abschliessend zugeschrieben werden, sagte damals der Präsident des Bezirksgerichts. «Fazit zur Tötung: Es bleibt unbeantwortet, wer getötet hat», sagte der Präsident. Folglich wurden C. und H. vom Vorwurf des Mordes freigesprochen. Allerdings wurde H. wegen des mehrfachen vollendeten Versuchs der Anstiftung zum Mord für schuldig befunden und deswegen zu neun Jahren Freiheitsentzug verurteilt. C. wurde wegen weiterer Delikte zu sechs Jahren verurteilt. Beiden wurde die Untersuchungshaft angerechnet.

Bestätigung vor Obergericht

Gegen dieses Urteil legte die Thurgauer Staatsanwaltschaft Berufung beim Obergericht ein. Allerdings nur noch gegen das Urteil für H. Das Urteil gegen C. ist rechtskräftig geworden, er befindet sich bereits wieder auf freiem Fuss.

Und H.? Auch für ihn ändert sich nach der Verhandlung vor dem Thurgauer Obergericht nichts. Er muss – abzüglich der Untersuchungshaft – für neun Jahre ins Gefängnis. Nicht wegen Mordes, sondern wegen des mehrfachen vollendeten Versuchs der Anstiftung zum Mord, mehrfacher Nötigung, Widerhandlung gegen das Waffengesetz, Gefährdung des Lebens und Erschleichen einer falschen Beurkundung.

Im Zweifel für den Angeklagten

Das Thurgauer Obergericht konnte der Argumentation der Staatsanwaltschaft im Anklagepunkt Mord nicht folgen. Die Frage, die es zu beantworten hatte, lautete: Kann H. der Mord rechtsgenüglich nachgewiesen werden?

Das Obergericht war wie die Vorinstanz der Meinung, die beiden Männer H. und C. seien am Tatort gewesen. Aber: Die Frage, wer die Schüsse abgegeben hat, sei die einzige, die mit einer naturwissenschaftlich korrekt zu definierenden Wahrscheinlichkeit beantwortet werden könne: sie liege bei je 50 Prozent.

Schon vor Prozessbeginn am Thurgauer Obergericht war klar, dass die zweite Instanz nur dann zu einem Schuldspruch wegen Mordes kommen könnte, wenn die Staatsanwaltschaft neue Beweismittel vorlegen konnte. Dies tat sie nicht. Das Obergericht folgte deshalb der Vorinstanz und sprach den Angeklagten vom Vorwurf des Mordes frei.

Schaler Nachgeschmack

Ein schaler Nachgeschmack bleibt, auch nach dem zweitinstanzlichen Urteil. Ein Mann ist erschossen worden, zwei dringend der Tat verdächtige Männer standen vor Gericht. Einer der beiden muss der Mörder gewesen sein, darauf deuten alle Beweise und Indizien hin.

Aber gegen keinen der beiden reichen die Indizien für eine Verurteilung wegen Mordes aus. Es scheint, dass der Mord am 27jährigen Herisauer für immer ungesühnt bleibt.

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