Bürgerwehr. Abtreten!

An den Chef, die Offiziere, Unteroffiziere und Wächter der Bürgerwache Frauenfeld.

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An den Chef, die Offiziere, Unteroffiziere und Wächter der Bürgerwache Frauenfeld.

Im Interesse der Ordnung, Ruhe und Sicherheit hat es der Gemeinderat sofort nach Beginn der Kriegswirren für nötig erachtet, in unserer Gemeinde eine Bürgerwehr zu organisieren und in Aktion treten zu lassen. Diese Bürgerwache, die zum erstenmal vom 8. auf den 9. August funktionierte, hat die auf sie gesetzten Erwartungen zur vollen Zufriedenheit der Behörde und Einwohnerschaft erfüllt.

Mit grossem Geschick und treuer Hingabe hat der Chef mit Unterstützung seiner Offiziere und Unteroffiziere die Organisation übernommen, die nötigen Instruktionen erlassen und die Wache in regelmässigen Gang gebracht. Während der sechs Wochen ihrer Funktion wurde auch nicht die geringste Klage laut über das Benehmen und Auftreten der Wache, was beweist, dass sie auf der Höhe ihrer Aufgaben und ihrer ernsten Pflichten bewusst war. Wir verdanken deshalb die Bereitwilligkeit und die uneigennützige Hingabe, mit denen sich die zahlreichen Mitglieder Bürgerwehr und ihrer Kommandanten in patriotischer Weise in den Dienst der Öffentlichkeit gestellt haben.

Die Zeit ist nun gekommen, wo bei unserer Einwohnerschaft das Gefühl der Beruhigung und Sicherheit wieder Platz gegriffen hat, umso mehr, als die städtischen Polizeiorgane wieder vollzählig hier anwesend sind.

Der Gemeinderat hat deshalb auf Antrag der Leitung der Bürgerwache beschlossen, diese letztere zu sistieren, die Wache aber nicht aufzulösen, sondern in ihrem Bestande und in ihrer Organisation fortbestehen zu lassen, und dieselbe in späterer, möglicherweise unruhiger und unsicherer Zeit sofort wieder in Funktion treten lassen zu können. Wir hoffen und zählen zuversichtlich darauf, dass Ihr Männer alle wieder unserem Rufe vollzählig Folge leisten werdet.

Frauenfeld, Ende September 1914. Der Gemeinderat.