BUCHPRÄSENTATION: Die Kartause schreibt Geschichten

Vor 40 Jahren bewahrte die Stiftung Kartause Ittingen die geschichtsträchtige Klosteranlage vor dem Zerfall. Der neunte Band der Ittinger Schriftenreihe hält die Zeit von 1977 bis heute in einem Buch fest.

Silvan Meile
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Studentin, Journalistin und Buchautorin: Die Winterthurerin Sandra Biberstein stellt in der ehemaligen Klosteranlage das neue Buch über die vergangenen 40 Jahre der Kartause Ittingen vor. (Bild: Nguyen Thi My Lien)

Studentin, Journalistin und Buchautorin: Die Winterthurerin Sandra Biberstein stellt in der ehemaligen Klosteranlage das neue Buch über die vergangenen 40 Jahre der Kartause Ittingen vor. (Bild: Nguyen Thi My Lien)

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Hortense Anda-Bührle stand auf, griff in ihre Handtasche und legte einen Check über eine Million Franken auf den Tisch. Die schwerreiche Bührle-Erbin brachte am 20. November 1978 Schwung in die Runde im Hotel St. Gotthard in Zürich. Das zeigte Wirkung. Weitere Spender zogen nach, etwa der Migros-Chef Pierre Arnold mit 1,2 Millionen. Das Geld war nötig, um die Kartause Ittingen vor dem Zerfall zu retten.

Autorin Sandra Biberstein beschreibt die Szene «3,7 Millionen Franken in zehn Minuten» aus dem «St. Gotthard» im neusten Band der Ittinger Schriftenreihe. Es ist eine von zahlreichen Anekdoten aus der jüngsten Geschichte der Kartause Ittingen von 1977 bis 2017. Auf 180 Seiten hält Biberstein fest, welche Hebel in Bewegung gesetzt werden mussten, damit die historische Kloster­anlage erhalten blieb und der verwahrloste Ort wieder zum Leben erweckt wurde. «Rund 46 Millionen Franken wurde bis zur Eröffnung des Kultur- und Seminarzentrums 1983 in Restaurierung und Neubauten investiert – eine Summe, die nur durch das Zusammenwirken von Wirtschaft, öffentlicher Hand und Privaten erreicht werden konnte», schreibt Biberstein. Die Thurgauer Bevölkerung wurde mit der Kampagne «Üsi Kartuus – üsi ­Ufgoob» direkt angesprochen. Sogar in den Schulzimmern hingen solche Plakate.

Stiftung braucht wieder Geld: Für Dachsanierungen

«Das Buch hilft, die Leistung der Stiftung aufzuzeigen», sagt Heinz Scheidegger, Procurator der Kartause. Und Corinne ­Rüegg, in der Kartause verantwortlich für Kommunikation und Marketing, lobt die Publikation als «wertvolles Wissen in einem schönen Rahmen». Heute gehe es der Stiftung wirtschaftlich gut, betont Scheidegger.

«Doch der nächste Schub kommt auf uns zu.» Die histo­rische Anlage muss weiter in Schuss gehalten werden. Zahlreiche Dächer sind nicht mehr dicht. Mit Sanierungskosten von drei Millionen Franken werde gerechnet. Das könne die Stiftung nicht alleine stemmen. Deshalb hat sie einen Jubiläumsfonds gegründet, mit dem Ziel, eine Million Franken an Spenden zu generieren. Für hundert Franken kann man sich an der Sanierung von einem Quadratmeter Dach beteiligen.

Mehr als ein Jahr hat Biberstein am Buch gearbeitet, über 200 Archivschachteln gewälzt. Darin fand sie auch ein «Schadensprotokoll» aus dem Jahr 1977, als die Stiftung die Anlage für sechs Millionen Franken übernahm. Feuchtigkeit, Schimmel, Pilze und eine einsturzgefährdete Bausubstanz seien dort Thema. Biberstein führte auch zahlreiche Gespräche, etwa mit Rudolf Guyer und Robert Fürer. Beide sind seit der ersten Stunde mit der Stiftung Kartause Ittingen verbunden, beide waren auch bei der legendären Runde im «St. Gotthard» dabei.

Das Buch «Vier Jahrzehnte Stiftung Kartause Ittingen – 1977 bis 2017» wird am Sonntag vorgestellt. Gleichzeitig feiert die Stiftung ihr 40-Jahr-Jubiläum. Für die Bevölkerung gibt es am 30. September ein Jubiläumsfest mit der Möglichkeit, hinter die Kulissen zu blicken. Und am 24. Oktober erwartet die Kartause den Besuch von Bundesrat Alain Berset.