BUCH: Ein Dorf verliert seinen Laden

Das Überleben des Ladens steht seit Jahren auf der Kippe. Nun ist die Schmerzgrenze erreicht. Das Geschäft wird spätestens Ende April 2017 geschlossen. Das kostet drei Angestellte den Job.

Evi Biedermann
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Präsident Peter Stillhard unterhält sich mit der Teilzeitangestellten Silvia Ammann (links) und einer Kundin. (Bild: Evi Biedermann)

Präsident Peter Stillhard unterhält sich mit der Teilzeitangestellten Silvia Ammann (links) und einer Kundin. (Bild: Evi Biedermann)

BUCH. Sobald die Hälfte des Eigenkapitals verzehrt ist: Dann ist die Schmerzgrenze erreicht. Wenn das passiert, ist die Auflösung der Genossenschaft und des Verkaufslokals vorgesehen. So steht es in den Statuten der Genossenschaft «Üse Lade» geschrieben, die den Dorfladen Buch seit 15 Jahren betreibt. Dieser Fall ist nun eingetreten.

Hoffnung auf mehr Umsatz hat sich zerschlagen

«Das Halbjahresergebnis und die Budgetprognosen weisen darauf hin, dass unser Genossenschaftskapital im nächsten Jahr zu mehr als 50 Prozent aufgebraucht sein wird», erklärt Präsident Peter Stillhard. Noch im März war Hoffnung aufgekeimt, dass der Laden nach jahrelangem stetigen Umsatzrückgang den Turnaround schaffen würde. Ein Flugblatt mit deutlichen Worten hatte die Dorfbewohner offenbar wachgerüttelt, der Umsatz stieg in diesem Monat um zehn Prozent. Auch das jährliche Ladenfest Anfang September mit seinem fast schon legendären Bodysoccer-Turnier brachte Geld in die Kasse.

Volg kündigt neues Kassensystem an

Wie die Zahlen nun zeigen, konnte die Abwärtsspirale nicht gestoppt werden. Der Umsatz ist in den letzten Monaten gar überproportional eingebrochen. «Das Bedürfnis, am Wohnort einzukaufen, haben offenbar nur wenige im Dorf», schliesst Stillhard daraus. Nebst dem Rückgang gibt es noch andere Faktoren, welche die Genossenschafter dazu bewog, an einer Versammlung Ende September der Schliessung des Ladens zuzustimmen. So hat Volg, mit dem der freie Detaillist «Üse Lade» zusammenarbeitet, ein neues Werbekonzept sowie ein neues Kassensystem angekündigt. Dies zu übernehmen, wäre für den Laden Buch mit Kosten verbunden. Und wegen eines längeren Personalausfalls müsste eine neue Teilzeitkraft angestellt werden, was aktuell äusserst schwierig wäre. Der Entscheid nicht mehr weiterzukämpfen, sei vernunftmässig richtig, ist Stillhard überzeugt. «Emotional ist es ein Stich ins Herz.»

Mit der Schliessung des Ladens verliert das Dorf eine bequeme Einkaufsmöglichkeit, einen geschätzten Treffpunkt – und drei Mitarbeiter müssen ihren Arbeitsplatz aufgeben. «Das tut uns besonders leid», erklärt der Genossenschaftspräsident.

Hoffentlich bleiben die Kunden bis zum Schluss treu

Am härtesten trifft es den 58jährigen Filialleiter, der seine 80-Prozent-Stelle erst vor einem Jahr antrat. Er habe jedoch die Situation gekannt. «So oder so, ein Verlust des Arbeitsplatzes ist immer schmerzhaft», sagt Stillhard, der im Personalbereich tätig ist. Die Schliessung des Ladens wurde auf den 30. April 2017 festgelegt. Sollte es jedoch aus finanziellen oder personellen Gründen früher erforderlich sein, ist ein früherer Zeitpunkt möglich.

Mit dieser Option könne man flexibel reagieren, falls jemand früher kündige oder andere Entwicklungen dies notwendig machten, erklärt Peter Stillhard. «Wir hoffen jedoch, dass weder das eine noch das andere eintritt und uns die bisherigen Kunden bis im Frühjahr weiterhin treu bleiben.»