BUCH B. FRAUENFELD: Ein Dorf will leben

Der Dorfladen ging diesen Frühling zu. Daraufhin gründeten initiative Buchemer den Verein Dorfläbe Buch. Er soll die Dorfgemeinschaft fördern. Schon fast jeder zweite Einwohner ist Mitglied.

Mathias Frei
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Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Die Buchemer lassen sich nicht unterkriegen. «Zuerst ging das Schulhaus zu, dann musste der Dorfladen schliessen. Bald bleibt uns wohl nur noch die Postauto-Haltestelle», sagt Samuel Stillhard. Dass es nicht so weit kommt, war und ist ihm ein Anliegen. Deshalb hat er vor kurzem mit anderen Buchemer Einwohnern einen neuen Verein ins Leben gerufen: Dorfläbe Buch.

Schon über 100 Mitglieder im Verein

Vergangenen Januar fand ein Informationstreffen im ehemaligen Schulhaus statt. Erfreulicherweise kamen schon damals rund 30 Einwohner. Und es ging weiter vorwärts. Schnell waren Statuten verfasst, war ein Vorstand gebildet. Am 2. Mai war Gründungsversammlung mit 50 Mitgliedern. Mittlerweile hat der Verein über 100 Mitglieder. Das heisst, bald ist jeder zweite Einwohner der Ortschaft, die zur Politischen Gemeinde Uesslingen-Buch gehört, dabei. Eine höchst erfreuliche Entwicklung, an deren Ursprung aber ein umso unerfreulicherer Umstand stand, nämlich die Schliessung von Üse Lade.

Vergangenen Spätherbst war festgestanden: Der Buchemer Dorfladen schliesst spätestens per Ende April 2017. Die Zahlen stimmten einfach nicht mehr. Das finanzielle Loch hatte letztlich mehr als die Hälfte des Eigenkapitals der Betreibergenossenschaft verschlungen. Langjähriger und letzter Genossenschaftspräsident war Samuel Stillhards Vater, Peter Stillhard. Gewissermassen hat Samuel Stillhard in der Dorfgemeinschaft nun also sein Erbe angetreten. «Wir haben uns gefragt, wer zukünftig die Veranstaltungen organisieren sollte, die der Dorfladen bisher ausrichtete», erklärt Samuel Stillhard. Eine andere Frage sei gewesen, wie man im Dorf einen niederschwelligen Treffpunkt schaffen konnte, wie ihn der Laden bot. Ein Verein war die Lösung. Junge Buchemer, die neue Uesslinger Schulpräsidentin und Vorstandsmitglieder der aufgelösten Genossenschaft ­bilden den Vorstand. Die alte Leuchtreklame des Dorfladens ist umfunktioniert worden. Neu liest man «Dorfläbe Buch» darauf.

Das Bodysoccer-Turnier, das Platzkonzert der Musikgesellschaft Uesslingen und der Fondueabend waren dank der Üse-Lade-Genossenschaft zur schönen Tradition in der Dorfagenda geworden. Und wenn die Schweizer Fussballnati an einem grossen Turnier spielte, gab es jeweils auch ein WM- oder EM-Public-Viewing. Diese Veranstaltung führt der Verein weiter. Zudem finden in bisher veranstaltungsfreien Monaten Vollmondtreffs statt. Der erste Treff war bei Familie Stillhard daheim vor der Garage. 50 Buchemer genossen zum Sommerabend Fajitas. Der zweite Vollmondtreff ging gestern über die Bühne. Ziel ist, dass verschiedene Buchemer ­Familien Gastgeber sind. Der Verein hilft mit Infrastruktur und Know-how. Profit wird nicht angestrebt. «Wenn an einem Montag Vollmond ist, wird es eher etwas Kleineres. Dafür bleibt man etwas länger sitzen, wenn der nächste Treff an einem Samstag ist», sagt Stillhard. Mit den neuen Anlässen wolle man aber in keiner Weise bestehende Veranstaltungen auf Gemeindegebiet konkurrenzieren.

Mindestens 16 Jahre alt und dem Dorf verbunden

Nebst der Pflege der Dorfzusammengehörigkeit, gesellschaftlichen Anlässen und der Förderung der Attraktivität von Buch will der Verein auch Zuzüger und Ortsansässige vereinen. Zudem will man gemäss Statuten Anlaufstelle sein für Anliegen aus der Buchemer Bevölkerung. Für eine Mitgliedschaft muss man 16 Jahre alt sein, aus dem Dorf respektive den umliegenden Weilern Horben und Trüttlikon kommen oder sich Buch verbunden fühlen. Der Jahresbeitrag ist 20 Franken. «Wir Buchemer sind im positiven Sinne etwas eigen», sagt Stillhard und spricht vom «gesunden Stolz, Buchemer zu sein».

Stillhard ist vor einem Jahr mit seiner Frau und den zwei Kindern nach Buch gezogen. Es ist ein Heimkommen für ihn. Denn er ist im nahen Weiler Hinterhorben aufgewachsen. «Die Jungen kommen mit ihren Familien vermehrt zurück», ist ihm aufgefallen. So bleibe Buch lebendig. Auch dank des neuen Vereins.

www.dorflaebebuch.ch