Brennen muss Sirnach

Südsicht

Olaf Kühne
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Der Thomas hätte in Sirnach ein Problem lösen können – wenn man ihn nur gelassen hätte. In der Meteorologensprache war es «Orkantief Thomas», welches an der Eröffnung der Sirnacher Fasnacht «seinen Einfluss geltend machte». Alle anderen sagen: Es hat gewindet wie Sau. In welcher Sprache auch immer: Wegen des Wetters, sprich wegen starker Sturmböen, konnten die Füürbesen am Donnerstag nicht brennend durchs Dorf getragen werden.

Brandgefahr, klar. Tönt vernünftig. Nur steht im Herzen Sirnachs, dort wo die funkensprühenden Füürbesen traditionellerweise durchgetragen werden, nebst Kirche, Gemeindehaus, Kebabstand und was es sonst noch so braucht für ein gfreutes Dorfleben, auch die Brückenwaage.

Dieses heruntergekommene, jahrhundertealte Haus, an dem Heimatschutz und Denkmalpflege – passend zur Fasnachtszeit – ihren Narren gefressen haben. Und das Generationen von übermütigen Autofahrern im scharfen Rank schon als Notanker gedient hat. Deswegen wohl auch historisch wertvoll. Man weiss es nicht.

Die Sirnacher jedenfalls wollen die Brückenwaage weghaben. Nichtunterschutzstellungsverfahren heisst das bürokratische Monstrum, welches die Stimmbürger an einer Gemeindeversammlung geweckt haben. Hand aufs Herz, liebe Sirnacher: Die Füürbesen hätten das nun wirklich viel unbürokratischer erledigt.

Olaf Kühne

olaf.kuehne

@thurgauerzeitung.ch