Breiter Rückhalt für Expo 2027

Die Unterstützung bei den eidgenössischen Parlamentariern für eine Landesausstellung in der Ostschweiz ist gross. Der Thurgauer Grünliberale Thomas Böhni ist allerdings skeptisch – für ihn ist die Expo nicht prioritär.

Marc Haltiner
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«Aua extrema» – die Ostschweiz an der Expo 2002 in Neuenburg. (Archivbild: Ursula Häne)

«Aua extrema» – die Ostschweiz an der Expo 2002 in Neuenburg. (Archivbild: Ursula Häne)

KREUZLINGEN. Nach den Ostschweizer Regierungsräten signalisieren nun auch die eidgenössischen Parlamentarier aus der Ostschweiz Zustimmung zur Expo 2027. «Ich unterstütze sie aktiv», sagt der Appenzeller FDP-Nationalrat Andrea Caroni. «Wir müssen das Projekt vorantreiben.» Gemeinsam trafen sich Caroni und andere Ostschweizer Parlamentarier mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann, um das Projekt zu erörtern. «Wir erhielten ein ermutigendes Signal von ihm», sagt Caroni. Er sowie die Ostschweizer Parlamentarier seien klar der Meinung, das Projekt weiter voranzutreiben.

Ein Zeichen setzen

Auch der Thurgauer CVP-Nationalrat Christian Lohr hält die Expo für wichtig. «Es ist ein wichtiges und starkes Anliegen», sagt er. Er selber ist als Thurgauer Vertreter in der Kommission, die den Projektwettbewerb begleitet. Die Zeit in der Ostschweiz sei reif für die Expo, die Ideen der Regierungen seien ausgezeichnet. «Man muss dem Projekt eine Chance geben.»

Und auch der Thurgauer SVP-Nationalrat Hansjörg Walter findet die Expo eine ausgezeichnete Idee. Es gehe darum, ein nachhaltiges Zeichen für die Schweiz zu setzen – er werde sich entsprechend für das Projekt einsetzen. Zwar räumt Walter ein, dass die Kosten des Projekts beträchtlich sein werden. Aber falls das Projekt – anders als die Expo.02 – bleibende Zeichen in der Ostschweiz setze, lohne sich der Aufwand. Die Ostschweizer Parlamentarier seien grundsätzlich positiv eingestellt.

«Nachhaltig und bezahlbar»

Auch bei anderen Ostschweizer Parlamentariern ist der Support für die Expo enorm. Sie habe das Projekt von Anfang an unterstützt, sagt die Thurgauer SVP-Nationalrätin Verena Herzog, die als Co-Präsidentin des Unterstützungsvereins figuriert. Sie ist, ebenso wie Lohr, Mitglied der Begleitkommission des Nationalrates. Die Expo sei ein faszinierendes Projekt und eine grosse Chance, die Ostschweiz nachhaltig zu präsentieren. Sie habe dies auch vor kurzem bei HSG-Studenten vorstellen können. «Das Projekt ist eine gute Möglichkeit, den Zusammenhalt der Schweiz zu zeigen.»

Wichtig sind ihr zwei Punkte: Die Expo müsse nachhaltig und bezahlbar sein. Ohne Einhaltung dieser Kriterien werde die Landesausstellung nicht möglich sein. Zustimmend reagieren auch weitere Parlamentarier: Grundsätzlich für die Expo spricht sich die grüne St. Galler Nationalrätin Yvonne Gilli aus. Sie sei begeistert von der Expo, ebenso wie die Thurgauer SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher: «Das Projekt hat gute Chancen, ich werde mich in Bern dafür einsetzen.» Das Projekt biete die Chance, Tradition und Moderne zu verbinden und Nachhaltiges in der Ostschweiz zu schaffen.

Ständerat ist gefordert

Die St. Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter betont, dass sich die Planung und Unterstützung der Expo vor allem im Ständerat abspielen werde. Sie habe den Eindruck, der Bundesrat werde das Projekt unterstützen; mindestens habe sie von Bundesrat Johann Schneider-Ammann erste zustimmende Signale erhalten. «Es ist eine Chance für die Ostschweiz, sich den anderen Landesteilen zu präsentieren.»

Der St. Galler SP-Ständerat Paul Rechsteiner schliesst sich ihrer Meinung an. Das Projekt befinde sich zwar in einem frühen Stadium. Er stehe aber wie die anderen Ostschweizer Ständeräte geschlossen hinter dem Vorhaben. Die Schaffhauser SP-Nationalrätin Martina Munz bedauert, dass die Schaffhauser Regierung vorläufig nicht beim Projekt mitmachen wird. Sie sei der Meinung, die Regierung müsse die Türen offenhalten und sich in einer späteren Phase aktiv für das Anliegen einsetzen.

Positiv steht auch der Schaffhauser SVP-Ständerat Hannes Germann dem Projekt gegenüber. «Es ist positiv, dass die Ostschweiz diesen Anlass machen will.» Und auch der Ausserrhoder Ständerat Hans Altherr unterstützt das Projekt vorbehaltlos, auch wenn er dann 77 Jahre alt und nicht mehr als Politiker aktiv sei. «Die Ostschweizer Ständeräte stehen absolut dahinter.»

Grundsätzlich offen zeigt sich Ivo Bischofberger, der CVP-Ständerat von Appenzell Innerrhoden. Man müsse klar die Frage der Finanzierung stellen, das Projekt werde viel Geld kosten. Leichte Vorbehalte habe er deshalb gegenüber der Expo. Sollte sich aber die Finanzierung klar regeln lassen und der Konzeptwettwerb gute Ideen liefern, könne die Expo realisiert werden. Wichtig: «Das Projekt muss jederzeit gestoppt werden können.» Das Projekt müsse nachhaltig sein und die Unterstützung im breiten Volk geniessen.

«Energiewende ist wichtiger»

Der Thurgauer Grünliberale Thomas Böhni unterstreicht, dass er seine persönliche Meinung vertritt. Er zeigt sich aber offen skeptisch. Bei der IV-Revision habe er sich gegen bürgerliche Sparpläne – «es ging um die Schwächsten in unserer Gesellschaft» – gewehrt. Die paar Millionen Franken seien dem Parlament zu teuer gewesen. Bei der Expo würden sich die Parlamentarier dagegen spendabel zeigen, obwohl diese Landesausstellung bis zu zwei Milliarden Franken kosten werde.

«Mir ist die Energiewende wichtiger.» Die Energiewende bewirke wesentlich mehr Innovation und schaffe zahlreiche, hochwertige Arbeitsplätze und sei wesentlich umweltverträglicher als die Expo 2027. Zudem sei die Energiewende für den Klimaschutz und schliesslich für uns alle zentral und müsse entschlossen und mit den notwendigen, knapper werdenden Mitteln vorangetrieben werden. «Die Energienachfrage bildet eine tragende Säule in unserer Gesellschaft. Die Expo ist ein <nice to have>.»

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