BRAUNAU: «Sind bereits 15000 Franken im Minus»

Der Gemeinderat hat entschieden, ab Juli keine Gemeinde-Tageskarten mehr anzubieten. Grund dafür ist der anhaltende Rückgang bei den Nutzerzahlen.

Marco Cappellari
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Viele Gemeinden bieten vergünstigte Tageskarten-GAs für die Bevölkerung an. Das beliebte Angebot wird gerne und rege genutzt. Nicht so in Braunau, wo im Schnitt nur ungefähr jede zweite Tageskarte einen Abnehmer findet. Ein Wert, der deutlich unter den üblichen Auslastungen liegt. Für die Gemeinde Braunau sind die SBB-Tageskarten somit ein Verlustgeschäft. «Wir hatten in den letzten Jahren immer grössere Defizite zu verzeichnen. Im laufenden Geschäftsjahr –Juli 2017 bis Juni 2018– sind wir bereits bei einem Minus von bald 15000 Franken», sagt Gemeindepräsident David Zimmermann, «bei einem Gesamtaufwand von jährlich ungefähr 31000 Franken ist das ein beträchtliches Defizit.»

Der Gemeinderat hat folglich vergangene Woche entschieden, die Tageskarten ab Juli nicht mehr anzubieten. Der Entscheid war nur noch Formsache, denn die Gemeinde hatte bereits in ihrer Gemeindemitteilung vom März über das bevorstehende Ende des Angebots informiert.

Die Gründe dafür, dass die sonst beliebten Tageskarten in Braunau auf immer weniger Anklang stossen, sind vielschichtig. «Wir haben festgestellt, dass das Angebot in den letzten Jahren mehrheitlich von den immer gleichen Personen benutzt wurde. Das ist zwar schön, in der breiten Bevölkerung scheint der Bedarf jedoch nicht mehr vorhanden zu sein», erklärt Zimmermann. «Junge Zuzüger verfügen ausserdem häufig über ein Auto.» Der Gemeindepräsident spricht damit einen weiteren Grund an: die Lage Braunaus, das über keinen Bahnanschluss verfügt. Die SBB würden bei Verbindungen ins Land sparen. Zimmermann: «Braunauer, die zum Beispiel nach St. Gallen wollen, müssen mit dem öffentlichen Verkehr in Wil 20 Minuten auf den Anschlusszug warten. In 20 Minuten ist man allerdings mit dem Auto bereits in St. Gallen. Das sind alles Gründe, die dazu beitragen, dass die GAs unattraktiv bleiben.» Ganz zu Beginn, als das Angebot eingeführt wurde, war die Nachfrage um einiges höher. Zimmermann: «Als wir die Tageskarten eingeführt haben, hatten wir gerade ein Ausstellungsjahr und haben so sogar einen kleinen Gewinn gemacht. Dann hatten wir noch ein, zwei gute Jahre. Danach gingen die Nutzerzahlen allerdings kontinuierlich zurück. Dieser Trend besteht seit ungefähr zehn Jahren.»

Als Dienstleistung für die Bevölkerung gedacht

Die Gemeinde müsse die Tageskarten ganz normal bei der SBB beziehen. «Die Kosten der Karten, die keinen Abnehmer finden, müssen wir schliesslich abschreiben», sagt Zimmermann. Einen grossen Gewinn hätte die Gemeinde sowieso nie gemacht. Selbst bei einer Auslastung von 100 Prozent würde kaum mehr als kostendeckend gewirtschaftet werden. «Wir wollten die Tageskarten als Dienstleistung für die Bevölkerung anbieten», sagt Zimmermann.

Mittlerweile sei die Schmerzgrenze erreicht. «Deshalb haben wir nun entschieden, dass wir das Angebot einstellen müssen», erklärt Zimmermann.

Marco Cappellari

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch