BRAUKUNST: Es schmeckt nach Himbeere

Der Sommer ist die Zeit des Gerstensaftes. Heute bestellen Kenner statt einer «Stange» lieber handgemachte Spezialbiere. Im Thurgau entstehen diese in zahlreichen Mikrobrauereien.

Marc Sieger
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Marc Sieger

marc.sieger@thurgauerzeitung.ch

Familie Müller liebt Bier. Das ist nicht zu übersehen. Überall stehen Harasse – im Flur, in der Küche und in der Scheune. Im alten Waschhaus des Hofes in Eschlikon blubbert ihr eigenes Mükon-Bier in Kesseln.

Beat Müller ist bereits seit 6 Uhr auf den Beinen. Und das obwohl es Sonntag ist. Es ist Brautag. Müller steht früh auf, denn er will den Nachmittag mit seinen beiden Söhnen verbringen. Acht Stunden steht er an den Kesseln, reguliert die Temperatur des Sudes, gibt in klar definierten Abständen Hopfen und Malz dazu und überwacht die Gärung des Jungbiers.

Biere mit Beeren-, Schoko- oder Eichenaroma

Seit drei Jahren wohnen und brauen Beat und Delila Müller auf einem alten Bauernhof in Eschlikon. Vor einem Jahr startete die Mükon-Brauerei offiziell ins Geschäft. Gebraut hat Beat Müller schon vorher – in Kochtöpfen in der Küche. Mit dem Umzug nach Eschlikon bekam er den Platz, um in grösserem Stil Biere herzustellen. Insgesamt 400 Liter fassen die Kessel, die in der Scheune stehen. Dort entstehen drei Standardbiere sowie verschiedene Spezialbiere. Immer im Mükon-Sortiment sind ein helles Maisbier, ein Indina Pale Ale und ein Weizenbier. Müller probiert jedoch gerne neue Sachen aus. Er experimentiert mit verschiedenen Hopfensorten oder versetzt die Biere mit Früchten, Schokolade oder sogar Eichenholzschnitzeln, um neue Aromen zu kreieren. Zurzeit brauen die Müllers ein Saisonbier, das mit Himbeeren versetzt ist. «Uns fasziniert die Möglichkeit, mit Naturprodukten unterschiedliche Geschmäcker zu kombinieren», sagt Brauer Müller. Es sei spannend, das fertige Bier schliesslich zu probieren und zu schmecken, ob die gewünschten Aromen enthalten sind.

Zurzeit betreiben die Müllers ihre Brauerei noch als Hobby. Sie wollen jedoch bald hauptberuflich ins Braugeschäft einsteigen. Dazu haben sie neue Tanks angeschafft. Mit denen können sie mehr als 600 Liter Bier brauen. Zudem kann das Bier in den Stahlkesseln lagern. Bisher mussten sie den Gerstensaft direkt in Flaschen abfüllen. «Die Lagerung in den Tanks ist einfacher und spart Zeit», erklärt Beat Müller. Er wird nach dem Schritt in die Selbstständigkeit nach wie vor für das Brauen zuständig sein. Ehefrau Delila hilft beim Abfüllen, Etikettieren und übernimmt das Marketing der Brauerei. Die beiden wollen künftig ihren Kundenkreis ausbauen. Zurzeit sind die Mükon-Biere bei verschiedenen Getränkehändlern und Restaurants in der Region erhältlich.

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