BOTULISMUS: Schafe und Kühe starben

Zwei Thurgauer Landwirte mussten aufgrund eines Nervengifts im Silofutter herbe Verluste hinnehmen.

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Ein erkranktes Schaf. (Bild: Donato Caspari (Iselisberg, 21. Juni 2016))

Ein erkranktes Schaf. (Bild: Donato Caspari (Iselisberg, 21. Juni 2016))

700 Schafe waren es, bevor das grosse Sterben begann. Niemals hätte Urs Maier aus Iselisberg geglaubt, dass es ausgerechnet ihn treffen würde. Er hat 250 seiner Tiere durch Botulismus verloren – eine Vergiftung, ausgelöst durch einen Tierkadaver im Futter. Im Silo finden Krankheitserreger ideale Bedingungen zur Entwicklung, so kann das tödliche Gift Botulinumtoxin entstehen. Nur 0,01 Milligramm reichen aus, um einen Menschen oder ein Tier lebensbedrohlich zu vergiften.

Wenige Wochen, bevor Maier seine Tiere verlor, musste bereits Fritz Stettler aus Gachnang herbe Verluste bei seinen Kühen einstecken. Auch seine Tiere verendeten am tödlichen Nervengift. Insgesamt 65 Kühe starben, was einen finanziellen Schaden von rund einer Viertelmillion Franken zur Folge hatte. Die Kühe sind wieder ersetzt, der wirtschaftliche Schaden aber noch nicht ausgebügelt. Ausserdem bleibt die düstere Erinnerung an den Tod der vielen Tiere.

Laut dem Thurgauer Kantonstierarzt Paul Witzig hat bisher kein anderer Kanton Botulismusfälle in dieser Dimension erlebt. Für ihn ist dies aber lediglich ein tragischer Zufall. Gegen Botulismus gibt es eine Impfung, da die Krankheit aber bisher nur selten aufgetreten ist, wurde die Impfung kaum genutzt.

Der gewaltige Verlust ihrer Tiere stellt die beiden Landwirte noch immer vor eine riesige finanzielle Herausforderung: Den Schaden müssen sie selbst bezahlen, denn von der öffentlichen Hand gibt es keine Entschädigung. Grund dafür ist, dass Botulismus nicht als Seuche gilt. Dafür war die Solidarität und das Mitgefühl in der Bevölkerung umso grösser, vor allem für den Schäferbetrieb von Urs Maier. Die Gemeinde Uesslingen-Buch eröffnete für die Familie Maier sogar ein Spendenkonto.

Ist zu hoffen, dass das kommende Jahr wieder mehr Gutes für die beiden Landwirte bringt – verdient haben sie es.

Viola Stäheli

viola.staeheli

@thurgauerzeitung.ch