Bonus fürs Stromsparen

Das Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau belohnt neu Stromsparbemühungen von Thurgauer Firmen mit finanziellen Zuschüssen im Umfang von jährlich 1 Million Franken. Profitieren können Mitglieder der Energie-Agentur der Wirtschaft.

Markus Schoch
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kreuzlingen. Rainer Sigrist ist sich des Widerspruchs bewusst. Das Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau schafft finanzielle Anreize, die dem unternehmerischen Ziel eines möglichst grossen Umsatzes entgegenlaufen. Und trotzdem führe kein Weg daran vorbei, ist der EKT-Verwaltungsratspräsident überzeugt.

Es zeichne sich mittelfristig ein Versorgungsengpass beim Strom ab, sagte Sigrist gestern vor den Medien. Gleichzeitig steige der Verbrauch stetig. Selbst im letzten, wirtschaftlich schwierigen Jahr habe das EKT rund 2 Prozent mehr Energie verkauft.

So kann es nach Meinung von Sigrist nicht weitergehen. «Strom darf nicht mehr gedankenlos verwendet werden.» Sonst würden hohe Preise drohen, die dem Wirtschaftsstandort Thurgau schadeten und auch nicht im Interesse des EKT seien. «Wir haben den öffentlichen Auftrag, Energie in genügender Menge zu möglichst günstigen Konditionen zur Verfügung zu stellen.»

6 Millionen für drei Jahre

Das EKT will deshalb in den nächsten drei Jahren mit je 2 Millionen Franken «intelligente Stromnutzung» fördern und damit den Verbrauch drosseln. Zudem könnten so gemäss Sigrist neue Jobs geschaffen werden.

Die Hälfte des Geldes ist für Firmen reserviert, die sich der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) angeschlossen haben.

Die 1999 gegründete Organisation setzt sich für die Steigerung der Energieeffizienz und für eine Reduktion der CO2-Emissionen ein und hat einen entsprechenden Rahmenvertrag mit dem Bund unterzeichnet. Im Thurgau sind im Moment rund 90 Unternehmen dabei. Das EKT hofft, mit seinem Förderprogramm weitere Firmen zum Einstieg bewegen zu können. Sigrist empfiehlt allen KMU-Betrieben, den Schritt zumindest zu prüfen.

Bis zu 100 000 Franken

Das EKT unterstützt EnAW- Mitglieder mit einem sogenannten Effizienzbonus, der sich gemäss Sigrist je nach Unternehmen zwischen 2000 und 100 000 Franken bewegen kann. Auch ganz kleine Firmen könnten profitieren. Die Verteilschlüssel ist noch nicht festgelegt. Es werde aber eine «verbrauchsabhängige Komponente sein», sagt Marc Senn, der beim EKT für die Kommunikation und das Marketing zuständig ist.

Freude bei der Lista

Hanspeter Gross, der Leiter technische Dienste, Umwelt und Sicherheit bei der Lista AG in Erlen, ist nach eigenen Worten «sehr glücklich» über das Förderprogramm des EKT. Er sei sicher, dass dank der Gelder «einige kritische Investitionen» im Bereich der Energieeffizienz eher ausgelöst würden.

Das könnte durchaus auch bei der Lista so sein, die seit dem Jahr 2000 der Energie-Agentur für die Wirtschaft angehört. Die Energiekosten der Erler Firma belaufen sich auf 1,1 bis 1,5 Millionen Franken pro Jahr.

Der EKT-Effizienzbonus könnte zwischen 10 und 20 Prozent ausmachen.

Für die Lista ist Energiesparen schon lange ein Thema. Aus wirtschaftlichen Gründen und zum Schutz der Umwelt sind gemäss Gross bereits 1965 die ersten Anlagen umgerüstet worden, damit keine Lösungsmittelanteile in die Luft mehr gelangen. Gross stellt immer wieder fest, dass in vielen KMU-Betrieben das nötige Know-how im Bereich Energieeffizienz fehlt. Die Energie-Agentur könne sie unterstützen.