Bombenalarm in Lanterswil

Beim Räumen einer Wohnung im Haus der Familie Köbi Keller in Lanterswil oberhalb Ermatingen fanden sich zwei Bomben: Zum Glück sind sie nicht explodiert. Aber der Schrecken sitzt Familie Keller noch in den Knochen.

Margrith Pfister-Kübler
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Hier war es: Köbi Keller zeigt in die Ecke, in der das Möbeli stand, in dem er zwei Bomben fand. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Hier war es: Köbi Keller zeigt in die Ecke, in der das Möbeli stand, in dem er zwei Bomben fand. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

ERMATINGEN. Während rund fünf Jahren wohnte ein älterer Herr als Mieter im angebauten Hausteil der Liegenschaft von Köbi Keller. Der alte Mann war auf den Rollstuhl angewiesen. Er wohnte an diesem idyllischen Ort mit Blick über Wiesen auf den See bis zur Insel Reichenau und auf der Südseite den Wolfsberg im Focus. Er war vom Typ unauffällig, freundlich und nach Einschätzung von Köbi Keller: «Wirklich nicht gewaltbereit, keine Spur von Aggression.» Dann ist der Mann nach seinem 80. Lebensjahr verstorben.

Schreck beim Räumen

Hausbesitzer Köbi Keller, von Beruf Hochbaupolier, oblag die Aufgabe, die Wohnung des Mieters zu räumen. Als er die Schublade eines Tischlis öffnete, sah er zwei rund 15 Zentimeter lange Konstrukte.

«Da ist etwas wirklich komisch», blendet Keller zurück zum Moment der Entdeckung. Ihn schaudert es noch heute vor Schreck. «Das fasse ich nicht an», sagte sich Keller. Selbst jetzt, wo alles vorbei ist, reagiert er noch erschrocken, aber seine Nerven sind aus stabilem Material. Er atmet auf und zeigt den Anflug eines Lächelns, dass er und seine Familie einem möglichen Unglück entronnen sind.

Sofort raus aus dem Haus

Sofort nach der gefährlichen Entdeckung rief er die Polizei auf den Plan. «Die Patrouille kam sofort vorbei. Sie haben das Bomben-Räumungskommando von Zürich aufgeboten», sagt Keller. «Wichtig war, dass keiner von der Familie etwas anfasste. Wir mussten sofort das Haus verlassen. Wir wurden von der Polizei gut betreut und umfassend informiert.» Die Experten der Polizei rückten mit Spezialanzügen an und trugen die Bomben aus dem Haus zur Entsorgung. Die Familie Keller musste sich in sicherer Entfernung aufhalten. Der Stromkreis der gebastelten Bomben war nicht geschlossen, die Kabel nicht angeschlossen. Wie und wann die Bomben durch den Mieter ins Haus kamen, ist unbekannt. «Ich hätte diesen Mann nie als gewaltbereit eingestuft», sagt Keller. Ungläubigkeit kämpft bei ihm gegen die aktuellen Fakten. Spekulierte der alte Herr mit dem Schrecken, ohne dass jemand etwas von der Existenz dieser aus Wasserrohren gebastelten Bomben ahnte? Es ist fraglich, ob ein Mensch jemals ganz genau hinter dieses Geheimnis des Bombenbastlers kommt.

Raum für Spekulationen

Man kann spekulieren, ob diese hergestellt wurden, um nervige Mitmenschen in die Luft zu jagen. Oder, ob sie einem anderen Zweck dienten und schlicht vergessen wurden.

Der alte Mann lebte nicht lange genug, um dafür zur Verantwortung gezogen werden zu können. Ursachensucher blieben bisher auf der Strecke, bestätigt Köbi Keller. Verdrängt werden die Gedanken, was im schlimmsten Fall hätte passieren können.

So sahen die Bömbeli aus. (Bilder: Köbi Keller)

So sahen die Bömbeli aus. (Bilder: Köbi Keller)

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