Bodensee immer salziger

Seit Jahren steigt die Salzkonzentration im Schwäbischen Meer. Forscher sind den Ursachen auf den Grund gegangen – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Markus Schoch
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frauenfeld. Der Bodensee ist ein Süssgewässer, das immer salziger wird. In den letzten 40 Jahren hat die Chlorid-Konzentration ständig zugenommen. Sie liegt heute mit 6,1 Milligramm pro Liter zweieinhalb Mal höher als in den 1960er-Jahren. Eigentliche Sprünge nach oben gab es in den 1980er-Jahren sowie in jüngster Vergangenheit. Über die Gründe im einzelnen rätselten die Forscher lange.

Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) wollte es vor zwei Jahren genau wissen und setzte eine Expertengruppe ein, die den Ursachen für die zunehmende Salinität nachgehen sollte.

Über 100 000 Tonnen freigesetzt

Die Ergebnisse der Abklärungen liegen mittlerweile vor. Die Wissenschafter haben sich zuerst angesehen, wie viel Salz aus welchen Quellen im Einzugsgebiet des Bodensees freigesetzt wird, berechnet für das Jahr 2006. Sie kamen dabei auf eine Menge von insgesamt 101 844 Tonnen Chlorid.

Ziemlich genau die Hälfte stammt vom Strassensalz, 23,8 Prozent entfallen auf das Abwasser aus Haushalten und Industrie, 11,2 Prozent steckt in der Gülle aus Rinder- und Schweinehaltung. Die natürliche Erosion trägt 9 Prozent bei, die Niederschläge 2,7 Prozent. 2,8 Prozent macht das Waschwasser der Kehrichtverbrennung in der Schweiz aus.

Doch längst nicht alles Salz landet am Schluss auch im Bodensee. Im Durchschnitt der letzten zwölf Jahre taucht nur etwa 60 Prozent des freigesetzten Chlorids in den Zuflüssen auf, von denen der Alpenrhein der wichtigste ist. Er spült etwa einen Drittel der gesamten Salzfracht in den Bodensee. Etwa 40 000 Tonnen Salz pro Jahr bleiben im Boden oder im Grundwasser des Einzugsgebietes zurück.

Grosser Teil Strassensalz

Ohne Strassensalzung würde die Chlorid-Konzentration im Bodensee heute 4,2 Milligramm pro Liter betragen, haben die Forscher berechnet. Der Winterdienst sei also für 45 Prozent der Zunahme von Chlorid im Bodensee verantwortlich. Der Rest müsse aufs Konto von Haushalten und Landwirtschaft gehen, schreiben die Wissenschafter.