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BODENSEE: Der Mikroplastik schwimmt mit

Dass Meere mit Plastik vermüllt sind, weiss man. Aber auch bei uns gibt es immer mehr Mikroplastik im Wasser. ­Welche ­Auswirkungen diese Kleinstteile auf den menschlichen Organismus haben, ist kaum erforscht. Der Thurgau sieht keine Gefahr.
Christof Lampart
Klein, aber nicht fein: Kleinst-Plastikteilchen kommen heute in vielen Duschmitteln oder Zahnpasten zur Anwendung und landen schliesslich im Wasser. (Bild: CRISTINA PEDRAZZINI/SCIENCE PHOT (SCIENCE PHOTO LIBRARY SPL))

Klein, aber nicht fein: Kleinst-Plastikteilchen kommen heute in vielen Duschmitteln oder Zahnpasten zur Anwendung und landen schliesslich im Wasser. (Bild: CRISTINA PEDRAZZINI/SCIENCE PHOT (SCIENCE PHOTO LIBRARY SPL))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Plastik ist überall. Es gibt wohl kaum ­einen Haushalt auf dieser Welt, der ohne den Kunststoff auskommt. Auch im Thurgau nicht. Dementsprechend gross ist die Menge an Plastik, die regelmässig nicht rezykliert, sondern einfach sinnlos weggeworfen wird. So weit, so schlecht. Doch was passiert, wenn sogenannter Mikroplastik in den Natur- und Nahrungskreislauf gelangt?

Kunststoff kann Krankheiten auslösen

Unbestritten ist, dass Kunststoffe im Wasser nichts zu suchen haben, denn die Mikroplastik-Partikel können Gifte, Chemikalien oder Krankheitserreger enthalten, welche sich, wenn sie sich der Mensch durch Essen und Trinken einverleibt, in den menschlichen Zellen und somit auch in den Organen ablagern und somit schädliche Langzeitwirkungen für Individuen haben könnten. Allerdings ist die konkrete medizinische Forschung in diesem Bereich noch nicht sehr weit. Aufhorchen liess jedoch eine im Herbst 2017 veröffentlichte internationale Studie der Rechercheplattform Orbmedia. Diese ergab, dass 83 Prozent der getesteten Leitungswasserproben von unterschiedlichen Ländern von Mikroplastikpartikeln verseucht waren. Dabei führte Orbmedia in folgenden sieben Weltregionen die Untersuchungen durch: in den USA, Ecuador, Europa, dem Libanon, Uganda, Indien und Indonesien. Die Proben aus den USA waren mit 94 Prozent am meisten verunreinigt. Auf Platz zwei und drei landeten die Tests aus dem Libanon und aus Indien. Die Proben aus Europa waren am wenigsten «verseucht»; trotzdem waren auch hier 74 Prozent aller Proben mit Plastikpartikeln verunreinigt. Die durchschnittliche Anzahl an Kunststofffasern, die in jeder 500-Milliliter-Probe gefunden wurde, reichte von 4,8 in den USA bis 1,9 in Europa.

Bleibt die Frage: Wie gross ist im Thurgau das Mikroplastik-Problem oder ist das heimische Grund- und Trink­wasser von einwandfreier Qualität? Heinz Ehmann, Leiter der Abteilung Gewässerqualität und -nutzung beim kantonalen Amt für Umwelt, gibt auf An­frage Entwarnung. «Der Bund hat vor einigen Jahren einmal Proben im Bodensee entnommen und auf Mikroplastik hin untersucht – und dabei nichts Auf­fälliges gefunden», erklärte er Mitte ­Dezember gegenüber der «Thurgauer Zeitung».

0,5 Partikel je Quadratmeter Wasser

Klar sei, dass es in jedem Gewässer mittlerweile Plastikteilchen habe, doch seien diese von der Konzentration her weit davon entfernt, gesundheitsgefährdend zu sein. «Im Bodensee hat man 200 000 Partikel gefunden in einem Quadrat­kilometer; das entspricht 0,5 Partikel je Quadratmeter Wasser», rechnet Ehmann vor. Damit liegt man im Kanton Thurgau deutlich unter den Werten der Orbmedia-Studie. Doch für Ehmann ist gleichzeitig klar, dass man die Er­forschung des Mikroplastiks und seine Auswirkungen auf Fauna und Flora unbedingt weiter vorantreiben sollte. «Da gibt es sicherlich noch viel Potenzial, was die Wissenschaft betrifft. Neue Erkenntnisse könnten helfen, das Problem weltweit besser in den Griff zu bekommen», so Heinz Ehmann.

Ähnlich positiv beurteilt der Thurgauer Kantonschemiker Christoph Spinner gegenüber der «Ostschweiz am Sonntag» die Qualität des Thurgauer Trinkwassers, das seiner Aufsicht untersteht. Da die Thurgauer Oberflächengewässer und das Grundwasser für die Trink­wasserproduktion als Rohstoff dienen und die Mikroplastik-Konzentrationen darin äusserst gering seien, habe man bis anhin auf die Analytik im Trinkwasser verzichtet.

Hingegen sind stichprobenweise Untersuchungen von sonstigen Mikroverunreinigungen – zum Beispiel wie sie durch Pflanzenschutzmittel oder Kosmetika verursacht werden können, beim Kanton gang und gäbe. Allerdings seien auch hier keine kritischen Grenzwerte erreicht oder sogar überschritten worden. Oder wie Christoph Spinner auf eine entsprechende Anfrage schriftlich festhält: «Die eidgenössisch festgelegten Höchstwerte werden für Thurgauer Trinkwasser dabei eingehalten und es mussten keine Massnahmen angeordnet werden.»

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