Bockspringen und andere Bedrohungen

Der Hinterthurgau fürchtet sich vor einer Islamisierung. Drei Viertel seiner Stimmbürger sprachen sich vor sieben Jahren für das Minarettverbot aus. Seither sind zwar an verschiedenen Gemeindeversammlungen Moslems eingebürgert worden.

Olaf Kühne
Drucken
Teilen

Der Hinterthurgau fürchtet sich vor einer Islamisierung. Drei Viertel seiner Stimmbürger sprachen sich vor sieben Jahren für das Minarettverbot aus. Seither sind zwar an verschiedenen Gemeindeversammlungen Moslems eingebürgert worden. Diese erzielten dabei aber jeweils schlechtere Zustimmungsraten als beispielsweise die katholischen Italiener. Die Angst – wovor eigentlich? – scheint also nach wie vor tief zu sitzen.

Derweil schreitet eine weitere «…isierung» gnadenlos voran. Die Homosexualisierung ist im Hinterthurgau angekommen. Zwar konnten die Bichelseer Protestanten mit der Nichtwahl eines schwulen Pfarrers die Bedrohung abwehren. Damit hatten sie aber nur die sprichwörtliche Schlacht gewonnen. Der Krieg dauert an. Vergangenen Samstag schlug die Regenbogen-Fraktion gnadenlos zurück. Mit einem Schlager-Gottesdienst wandelte sie auf Christopher-Street-Day-Pfaden. Dass zeitgleich in Münchwilen «Die Paldauer» spielten, machte die Lage nicht weniger bedrohlich.

Genau so wie die Kirche wird auch die Armee immer stärker pink unterwandert. Zwar noch nicht im Hinterthurgau. Aber Frauenfeld liegt bedrohlich nahe. So richtig offen aussprechen mag nicht mal die Militärjustiz, was sich Durchdiener-Rekruten in der Stadtkaserne erlaubt hatten. «Spielerisch miteinander gerangelt» hätten sie. Tönt doch gleich viel unverfänglicher. Im Priesterseminar im österreichischen und sehr katholischen St. Pölten hiess das damals «Bockspringen».

Hauptsache, die Dinge nicht beim Namen genannt. Gut, gibt es noch aufrechte Stimmbürger, die solcherlei Entwicklungen einen Riegel schieben, bevor man überhaupt weiss, auf welche Seite die Türe aufgeht.

olaf.kuehne@thurgauerzeitung.ch