Bluttat von Illighausen: Für das Bundesgericht ist es Mord

LAUSANNE. Der heute 45jährige Peruaner, der bei einem Streit seine Lebenspartnerin mit einem Messer getötet und seinen Sohn schwer verletzt hat, ist von der Thurgauer Justiz zu Recht wegen Mordes und versuchter vorsätzlicher Tötung zu 18 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Urs-Peter Inderbitzin
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LAUSANNE. Der heute 45jährige Peruaner, der bei einem Streit seine Lebenspartnerin mit einem Messer getötet und seinen Sohn schwer verletzt hat, ist von der Thurgauer Justiz zu Recht wegen Mordes und versuchter vorsätzlicher Tötung zu 18 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Dies hat das Bundesgericht entschieden.

Der folgenschwere Streit zwischen dem Paar trug sich am 14. Oktober 2010 zu. Die Frau trug dabei den sechs Monate alten Sohn auf den Händen. Zuerst schrie sich das Paar nur an, später griffen beide zu einem Messer. Dabei stach der Peruaner kraftvoll auf seine Lebenspartnerin ein, die ihm zuvor leichte Verletzungen an der Hand zugefügt hatte.

Durchs Haus verfolgt

Als die Frau mit dem Kind auf dem Arm über das Wohnzimmer ins Freie flüchtete, liess der alkoholisierte Peruaner das verbogene Messer auf den Küchenboden fallen, nahm ein zweites Messer und verfolgte die um Hilfe rufende Frau.

Der Mann holte seine Lebenspartnerin ein und stach auch dann noch, als diese bereits am Boden lag, heftig zu, bis sie tot war. Dann fügte sich der Peruaner selber Verletzungen mit dem Messer an Hals und – wahrscheinlich auch am Bauch – zu und legte sich neben seiner Lebenspartnerin auf den Boden. Im Verlaufe der gewaltsamen Auseinandersetzung wurde auch das sechs Monate alte Kind mehrmals vom Messer des Peruaners getroffen.

Obergericht hat Strafe erhöht

Das Bezirksgericht Kreuzlingen verurteilte den Täter wegen vorsätzlicher Tötung und versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Auf Berufung der Staatsanwaltschaft hin plädierte das Thurgauer Obergericht auf Mord und erhöhte die Strafe auf 18 Jahre.

Das Obergericht stufte die Tat als besonders skrupellos ein, weil der Täter mit voller Kraft auf die fliehende, um Hilfe schreiende und das Kind auf dem Arm tragende Mutter elf Mal eingestochen hatte.

Geringschätzung des Lebens

Das Bundesgericht hat nun in seinem Urteil bestätigt, dass die vom Peruaner verübte Bluttat von einer besonderen Grausamkeit und Geringschätzung menschlichen Lebens zeugt, zumal der Täter mit voller Entschlossenheit gegen seine vor ihm fliehende Lebenspartnerin vorging und nicht von ihr abliess, bis sie tot war. «Auch der Umstand, dass diese während der Tat mit dem gemeinsamen Kind auf dem Arm flüchtete und schützend zu diesem stand, verdeutlicht die besondere Gefühlskälte», heisst es im Urteil aus Lausanne.

Eine Verurteilung wegen blossen Totschlags oder vorsätzlicher Tötung kommt deshalb auch für das Bundesgericht nicht in Frage. Nicht zu beanstanden ist nach Meinung der Lausanner Richter auch das Strafmass von 18 Jahren.

Urteil 6B_877/2014 vom 5.11.2015