Blumige Begegnungszone

Irgendwie ist es ja schon verrückt. In Frauenfeld gab es Abstimmungen über die Löhne des Stadtrates oder das defizitäre Budget. Doch wirklich zu bewegen scheint das viele Einwohner nicht.

Markus Zahnd
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Unbekannte haben die Begegnungszone mit Blumen verziert. (Bild: Markus Zahnd)

Unbekannte haben die Begegnungszone mit Blumen verziert. (Bild: Markus Zahnd)

Irgendwie ist es ja schon verrückt. In Frauenfeld gab es Abstimmungen über die Löhne des Stadtrates oder das defizitäre Budget. Doch wirklich zu bewegen scheint das viele Einwohner nicht. Denn zuletzt gab es an realen oder virtuellen Stammtischen fast nur ein Thema: die gelben Punkte in der neu geschaffenen Begegnungszone. Darüber wurde so emotional diskutiert wie schon lange nicht mehr. Einige zeigten dabei ihre blühende Phantasie.

Stokholm findet es «cool»

So sind die Punkte für die einen übergrosse Kaugummiflecken, Konfetti oder Sommersprossen. Andere wiederum nehmen es mit weniger Humor und finden die Punkte wüst und unnötig. Diese Aussagen verleiteten sogar den neuen Stadtpräsidenten Anders Stokholm dazu, sich auf Facebook in die Diskussion einzumischen: «Ich find, es gseht cool us – isch au scho Geld für weniger Schöns usgeh worde…», schrieb Stokholm. Ob diese präsidiale Aussage tatsächlich ein Argument für die Punkte oder vielmehr gegen andere frühere Projekte ist, sei der Interpretation jedes einzelnen überlassen.

Klar ist: Die Punkte sollen die Autofahrer für den Fussgängervortritt in diesem Bereich sensibilisieren. So zumindest hiess es in der offiziellen Mitteilung der Stadt. Ob dieses Ziel erreicht wird, weiss man noch nicht. Aber die Testphase mit der Begegnungszone dauert ja noch fast ein Jahr.

Nur Kinder dürfen malen

Nun aber hat sich tatsächlich jemand an den gelben Punkten vergriffen. Irgend so ein Frechdachs hat zwei gelbe Punkte einfach so in eine rote und eine grüne Blume verwandelt. Das schaut zwar ganz hübsch aus, doch so geht das natürlich nicht. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder einfach so etwas auf die Strasse malt? Wobei Kinder da natürlich ausgenommen sind. Kinder dürfen in Quartieren so viel auf die Strasse malen, wie sie wollen. Sie benutzen schliesslich auch nur Kreide, und die geht beim nächsten Regen wieder weg.

Vielleicht hatten einige Frauenfelder diese Hoffnung auch bei den gelben Punkten: Die gehen beim nächsten Regen wieder weg. Doch dem war nicht so, was in den vergangenen Tagen bewiesen wurde. So bleiben die Punkte und die Blumen also in der Innenstadt. «Nützt's nüt, so schad's nüt.» Schliesslich hat man schon Geld für Dümmeres ausgegeben, heisst es zumindest im Rathaus.