Bloss keine krummen Pfoten

Primarschule Langdorf, Frauenfeld

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Blauer Himmel über den 340 Schülern vom Schulhaus Langdorf in Frauenfeld.

Blauer Himmel über den 340 Schülern vom Schulhaus Langdorf in Frauenfeld.

Nicht nur die Mauern stehen ohne Worte: Sonnenschein und vollkommener Friede liegen auch über dem Pausenplatz. Das ehrwürdige Gebäude vom Primarschulhaus Langdorf steht im Licht und kann’s erwarten: Etwa 60 Kinder erleben hier und heute ihren ersten Schultag.

Noch ist von ihnen weder was zu sehen – noch zu hören. Sauber und ruhig, so stellt sich vielleicht ein Hauswart sein Reich vor. Da kommt Jürg Riedener ums Eck. Sein prüfender Blick. Die Lautsprecher stehen bereit, die Täfelchen in einem grossen Kreis ausgelegt: Jede Klasse hat ihren Platz. Alles gut. Doch dort hinten wartet schon ein Vater. Was hat der in der Hand? Eine Zigarette. Sie qualmt. Eine Zigi hat auf dem Schulgelände nichts verloren. Hauswart Riedener startet jetzt gleich los. Bald steht der nervöse Vater hinter einem Strauch verborgen – kein Kind wird ihn zu sehen kriegen.

Klasse um Klasse, eine Gruppe nach der anderen, tritt nun an zur Begrüssung der Neuen. Natürlich nicht in Formation und Takt. Lachen. Laut. Sind schnell auf ihren Beinen, diese Kinder. Es ist ein schöner Tag und warm. Etliche stehen nun schon im Spalier. In ihren Händen Seifenblasen. Denn zwischen diesen vergänglichen bunt schwirrenden Kugeln aus Luft sollen die Erstklässler begrüsst sein. Schon legen einige los. Dabei sind die Frischlinge noch gar nicht da.

Doch hier sind sie schon. Manche Hand in Hand. Mit offenen Augen. Andere mit einem Finger im Mund. Stehen. Wollen ihren Tritt noch nicht recht finden. Gehen dann doch durchs Spalier auf den Pausenplatz. Die Frechsten unter ihnen haschen freilich nach den Seifenblasen. Wie es sich gehört.

Zuerst ein Lied aus Kindergartentagen mit zwei Lehrerinnen an der Gitarre: «Zwei kleine Wölfe». Die wünschen sich ein wenig Licht in ihrem nächtlichen Wald, weil man sich sonst so die Pfoten krumm stösst.

Dass das mit den Kindern im Langdorf nicht passiert, dafür steht Schulleiter Marcel Steiner gerade. Der 51-Jährige begrüsst nun offiziell via Mikrofon den «bunten Haufen quirliger Leute». Seine Rede ist nur kurz, schliesslich wollen die Kinder bald Pause und die Eltern noch schnell ein Handyfoto schiessen. Er wünscht Freude an der schulischen Gemeinschaft. Vom Lernen sagt er nichts, dafür gibt er bald die Pause frei.

Nur die Mauern stehen still und stumm, sie haben bereits tausende kleine Frauenfelder Kinder kommen sehen, auch Hand in Hand und Tausende Jugendliche sind von hier weggegangen und in die Welt hinaus. Hoffentlich um ein rechtes Stück bedachter. Und ohne krumme Pfoten. (pex)